Kleine Kostbarkeit

15. Oktober 2010

Bleiben wir bei den etwas merkwürdigeren Gestalten aus dem Reiche Floras. Im Farbdesign der von mir geschmähten Aristolochia nicht unähnlich, aber ein harmloser Gartengast, ist die Krötenlilie (Tricyrtis hirta). Manche vergleichen ihre kleinen, gesprenkelten Blüten mit denen einer Orchidee, was mir allerdings etwas überzogen erscheint. Trotz ihres Namens hat sie auch mit einer Lilie wenig Ähnlichkeit; ihre sternförmigen Blüten mit dem herausragenden Stempel wirken jedenfalls attraktiv und interessant, wenn auch vielleicht nicht wahrhaft schön.

Diese aus Japan stammende Pflanze gehört zu den Gewächsen, bei denen ich mir es trotz Überfüllung meines Gartens nicht verkneifen konnte, sie einmal auszuprobieren - nur, um zu sehen, wie sie wohl in natura aussieht. Große Hoffnungen hatte ich mir nicht gemacht, schließlich ist Tricyrtis eine klassische “woodland species” und benötigt einen feuchten, humosen, schattigen Luxusstandort. Eine Diva, dachte ich.

Die Blumen des Bösen

08. Oktober 2010

Ob es das Böse an sich gibt, und welcher Art es ist, beschäftigt die Menschen seit Urzeiten. Dass Pflanzen böse sein können, würde wohl niemand behaupten. Oder doch? Ins Grübeln kam ich bei einem gestrigen Spaziergang durch die (wunderbaren) Gewächshäuser des Potsdamer Botanischen Gartens, den ich hier ja schon einmal gelobt habe.

Mir scheint, die Kuratoren dort hegen eine gewisse Neigung zum Absonderlichen; jedenfalls finden sich in der Sammlung neben den üblichen Verdächtigen umfassende Kollektionen einiger merkwürdiger Genera. Zum Beispiel der Aristolochien, zu deutsch Pfeifenwinden oder noch harmloser Osterluzei genannt. Und als mich da so eine von der Glasdecke herabhängende Blüte der Aristolochia grandiflora anstarrte, meinte ich, die Aura des Bösen hautnah zu spüren.

Zwiebeln, Zwiebeln

15. September 2010

Ich bin nicht allein! Selbst prominente Gärtner streifen jetzt um die Blumenzwiebelkartons in den Discountmärkten herum und verfallen dem Kaufrausch. Dabei soll man der reinen Lehre zufolge ja nur Markenware von kleinen, feinen Gärtnereien kaufen…

Nichtsdestotrotz findet der notorischen Discounter, der mitunter sein Personal bespitzelt, und den es auch im Vereinigten Königreich gibt, die Gnade von niemand geringerem als Alys Fowler, Moderatorin der BBC-Gartensendung “Gardeners World“.  Kauft hemmungslos, sagt die rotwuschelköpfige Gartenlady, kauft und bepflanzt jeden freien Flecken Erde. Und zwar nicht nur im eigenen Garten! Das Konzept des Guerillagärtnerns, so Alys, sei wie gemacht für Blumenzwiebeln. Dem kann ich mich nur anschließen: Unzählige Verkehrsinseln und Randstreifen warten darauf, mit den 99-Cent-Zwiebeln bestückt zu werden!

Antidepressivum

14. September 2010

Das Schweigen im Garten, ich weiß. Vier Wochen nichts von mir hören lassen, und das zur Hochsaison. Ich schäme mich. Aber was heißt denn auch Gartensaison? Draußen rauscht ein Wasserfall nieder, und so geht es nun seit Wochen, unterbrochen nur von wenigen sonnigen Stunden. Da macht Garten einfach keinen Spaß.

Und so hat mich ein Gefühl der Lustlosigkeit überkommen. Ich fühle mich um ein ganzes Gartenjahr betrogen: Erst der endlose Schnee, dann der kalte Frühling, dann die Affenhitze, dann.. ach, was jammere ich Euch vor, das wisst Ihr schließlich alles selbst.

Naturnahe Rosen

13. August 2010

Gerade hatte ich das Vergnügen, für ein Naturgarten-Special von “Flora” wieder einmal mit Reinhard Witt zu reden, dem Pionier der deutschen Naturgarten-Bewegung und Gründer des Vereins “Naturgarten eV“. Vor Jahren hatte ich seinen Garten, damals für einen Artikel im Greenpeace-Magazin, besucht und war fasziniert wie Alice im Wunderland.

Nun ist Reinhard Witt ein ziemlich strenger Apologet heimischer Wildpflanzen und würde über meine Staudenbeete, in denen derzeit Duftnesseln und Wasserdost aus der amerikanischen Prärie dominieren, sicher die Nase rümpfen. In unseren Zielen und der Liebe zur Natur im Garten stimmen wir dennoch überein, und ich muss zugeben, dass heimische Wildpflanzen es an Pracht durchaus mit allerlei Gartenhybriden aufnehmen können: Star meines Gartens im Frühsommer war eine übermannshohe schlichte Malve (Malva sylvestris), die ich als Sämling aus dem Garten eines Ferienhauses in Mecklenburg mitgebracht hatte.

Normandie 3: Vendreuve

12. August 2010

Eigentlich suchte ich nur ein familienkompatibles Ausflugsziel. Das Schloss Vendreuve erschien da ganz geeignet: Es besitzt eine Sammlung antiker Miniaturmöbel (na ja), einen formalen Garten aus dem 18. Jahrhundert (immerhin, ein Garten) und vor allem die ebenfalls historischen “Jardins de l’eau surprises”. Das klang nach einem Riesenspaß für die Kinder, dachte ich.

Das Ergebnis fiel dann etwas anders aus als erwartet: Dora, die Älteste, verlor die Nerven, wann immer eine der Fontänen unerwartet ansprang. Irene, die Jüngere, ansonsten eher unerschrocken, ließ sich von der Panik der großen Schwester anstecken und brüllte ebenfalls. Elias, 11 Monate, beobachtete sie Mädels beunruhigt. Nur die Eltern konnten gar nicht genug bekommen von den wasserspeienden Schildkröten-Kaskaden, den Wasservorhängen, die von Pavillondächern stürzten und dem Strahl, der einer barbusigen Nymphe aus - na, könnt Ihr Euch denken – schoss.

Normandie 2: Jardin Plume

07. August 2010

Kein Parkplatz, kein Vorgarten, nur ein Loch in der Hecke mit einem kleinen hölzernen Pfeil. Geradezu ein Stilbruch in der Normandie, dem Land der stolzen Herrenhäuser mit ihren alleengesäumten Zufahrten und formalen Parterres. Tritt man durch die Öffnung, steht man zunächst in der Gärtnerei, wo Patrick Quibel Staudentöpfe wässert. Zusammen mit seiner Frau Sylvie hat er seit Ende der 90er Jahre eine typisch normannische Apfelplantage in jenen Garten verwandelt, der derzeit so viele Staudenfreaks elektrisiert und durch alle Magazine geistert: Jardin Plume, übersetzt “Feder-Garten”.

Alles ist gut

04. August 2010

So, nach allerlei Trara und mit etwas Verspätung (dank Easyjet, die derzeit offenbar ganz gern mal Flüge ausfallen lassen) wieder im Lande. Natürlich bin ich sofort in den Garten gerannt. In Anbetracht der Hitze, die hier in Berlin während unserer Abwesenheit herrschte, sah alles auf den ersten Blick erstaunlich gut aus. Pierre und Nadine, die bei uns mit ihren vier Kindern den Urlaub verbrachten, haben meine Pflanzen gut gehütet und fleißig gewässert. Im Gegenzug lagen wir in ihrem parkartigen Garten zumeist auf der faulen Haut, weil in der Normandie hin und wieder mal ein Schauer niederging, und labten uns an Himbeeren und den ersten reifen Birnen. Nur mit dem rasant schießenden Salat konnten wir trotz eifrigem Grünzeugverzehr nicht mithalten.

Ab in den Urlaub!

16. Juli 2010

Jetzt melde ich mich für zwei Wochen ab, verlasse meinen dürstenden Garten mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und hoffe, dass die französische Familie, mit der wir Häuser tauschen, sich der Pflanzen erbarmt. So kann ich mich nur halb auf die Ferien in der Normandie freuen, obwohl es da ein wenig frischer ist als hier und natürlich auch einige Gärten auf meinem Programm stehen: Unbedingt will ich Monets berühmten Garten in Giverny sehen. Noch gespannter bin ich auf den in den Magazinen gefeierten “Jardin de la Plume”, der offenbar Maßstäbe bei der Verwendung von Gräsern und Präriestauden gesetzt hat. Schönen Sommer allerseits!

Party Crasher

15. Juli 2010

Erinnert Ihr Euch an die schrille Blonde, die es ohne Einladung auf Obamas Empfang im Weißen Haus geschafft hat? Ebenso rätselhaft ist für mich das Auftauchen einiger Gäste in meinen Beeten. Wohlgemerkt, ich rede nicht von Unkräutern, sondern von ausgewiesenen Gartengewächsen, die ich jedoch weder gesät noch gepflanzt noch sonstwie wissentlich eingebracht habe. Auch auf den ja eher trostlosen Nachbargrundstücken kommen sie definitiv nicht vor.

Da waren zum Beipiel die seltsamen Halme, die mir schon letztes Jahr auffielen, weil sie irgendwie nicht unkrautig aussahen. Vielmehr erinnerten sie mich vage an jene Tradescantien, die meine Oma vor Urzeiten aus Teneriffa mitgebracht hatte. Ich ließ das Pflänzchen also stehen und vergaß es. Dieses Jahr war es wieder da und kräftig gewachsen. Und siehe da: Ich lag richtig. Es handelt sich tatsächlich um eine Tradescantie, natürlich keine dieser aus der Mode gekommenen violetten Blattpflanzen für die Fensterbank, sondern um eine Gartenhybride mit lila Blüten.