13. August 2010
Gerade hatte ich das Vergnügen, für ein Naturgarten-Special von “Flora” wieder einmal mit Reinhard Witt zu reden, dem Pionier der deutschen Naturgarten-Bewegung und Gründer des Vereins “Naturgarten eV“. Vor
Jahren hatte ich seinen Garten, damals für einen Artikel im Greenpeace-Magazin, besucht und war fasziniert wie Alice im Wunderland.
Nun ist Reinhard Witt ein ziemlich strenger Apologet heimischer Wildpflanzen und würde über meine Staudenbeete, in denen derzeit Duftnesseln und Wasserdost aus der amerikanischen Prärie dominieren, sicher die Nase rümpfen. In unseren Zielen und der Liebe zur Natur im Garten stimmen wir dennoch überein, und ich muss zugeben, dass heimische Wildpflanzen es an Pracht durchaus mit allerlei Gartenhybriden aufnehmen können: Star meines Gartens im Frühsommer war eine übermannshohe schlichte Malve (Malva sylvestris), die ich als Sämling aus dem Garten eines Ferienhauses in Mecklenburg mitgebracht hatte.
Keine Kommentare »
12. August 2010
Eigentlich suchte ich nur ein familienkompatibles Ausflugsziel. Das Schloss Vendreuve erschien da ganz geeignet: Es besitzt eine Sammlung antiker Miniaturmöbel (na ja), einen formalen Garten aus dem 18.
Jahrhundert (immerhin, ein Garten) und vor allem die ebenfalls historischen “Jardins de l’eau surprises”. Das klang nach einem Riesenspaß für die Kinder, dachte ich.
Das Ergebnis fiel dann etwas anders aus als erwartet: Dora, die Älteste, verlor die Nerven, wann immer eine der Fontänen unerwartet ansprang. Irene, die Jüngere, ansonsten eher unerschrocken, ließ sich von der Panik der großen Schwester anstecken und brüllte ebenfalls. Elias, 11 Monate, beobachtete sie Mädels beunruhigt. Nur die Eltern konnten gar nicht genug bekommen von den wasserspeienden Schildkröten-Kaskaden, den Wasservorhängen, die von Pavillondächern stürzten und dem Strahl, der einer barbusigen Nymphe aus - na, könnt Ihr Euch denken – schoss.
Keine Kommentare »
07. August 2010
Kein Parkplatz, kein Vorgarten, nur ein Loch in der Hecke mit einem kleinen hölzernen Pfeil. Geradezu ein Stilbruch in der Normandie, dem Land der stolzen Herrenhäuser mit ihren alleengesäumten Zufahrten und
formalen Parterres. Tritt man durch die Öffnung, steht man zunächst in der Gärtnerei, wo Patrick Quibel Staudentöpfe wässert. Zusammen mit seiner Frau Sylvie hat er seit Ende der 90er Jahre eine typisch normannische Apfelplantage in jenen Garten verwandelt, der derzeit so viele Staudenfreaks elektrisiert und durch alle Magazine geistert: Jardin Plume, übersetzt “Feder-Garten”.
Keine Kommentare »
04. August 2010
So, nach allerlei Trara und mit etwas Verspätung (dank Easyjet, die derzeit offenbar ganz gern mal Flüge ausfallen lassen) wieder im Lande. Natürlich bin ich sofort in den Garten gerannt. In Anbetracht der Hitze,
die hier in Berlin während unserer Abwesenheit herrschte, sah alles auf den ersten Blick erstaunlich gut aus. Pierre und Nadine, die bei uns mit ihren vier Kindern den Urlaub verbrachten, haben meine Pflanzen gut gehütet und fleißig gewässert. Im Gegenzug lagen wir in ihrem parkartigen Garten zumeist auf der faulen Haut, weil in der Normandie hin und wieder mal ein Schauer niederging, und labten uns an Himbeeren und den ersten reifen Birnen. Nur mit dem rasant schießenden Salat konnten wir trotz eifrigem Grünzeugverzehr nicht mithalten.
3 Kommentare »
16. Juli 2010
Jetzt melde ich mich für zwei Wochen ab, verlasse meinen dürstenden Garten mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und hoffe, dass die französische Familie, mit der wir Häuser tauschen, sich der Pflanzen erbarmt. So kann ich mich nur halb auf die Ferien in der Normandie freuen, obwohl es da ein wenig frischer ist als hier und natürlich auch einige Gärten auf meinem Programm stehen: Unbedingt will ich Monets berühmten Garten in Giverny sehen. Noch gespannter bin ich auf den in den Magazinen gefeierten “Jardin de la Plume”, der offenbar Maßstäbe bei der Verwendung von Gräsern und Präriestauden gesetzt hat. Schönen Sommer allerseits!
3 Kommentare »
15. Juli 2010
Erinnert Ihr Euch an die schrille Blonde, die es ohne Einladung auf Obamas Empfang im Weißen Haus geschafft hat? Ebenso rätselhaft ist für mich das Auftauchen einiger Gäste in meinen Beeten. Wohlgemerkt,
ich rede nicht von Unkräutern, sondern von ausgewiesenen Gartengewächsen, die ich jedoch weder gesät noch gepflanzt noch sonstwie wissentlich eingebracht habe. Auch auf den ja eher trostlosen Nachbargrundstücken kommen sie definitiv nicht vor.
Da waren zum Beipiel die seltsamen Halme, die mir schon letztes Jahr auffielen, weil sie irgendwie nicht unkrautig aussahen. Vielmehr erinnerten sie mich vage an jene Tradescantien, die meine Oma vor Urzeiten aus Teneriffa mitgebracht hatte. Ich ließ das Pflänzchen also stehen und vergaß es. Dieses Jahr war es wieder da und kräftig gewachsen. Und siehe da: Ich lag richtig. Es handelt sich tatsächlich um eine Tradescantie, natürlich keine dieser aus der Mode gekommenen violetten Blattpflanzen für die Fensterbank, sondern um eine Gartenhybride mit lila Blüten.
Keine Kommentare »
05. Juli 2010
Die Fußball-WM zeigt es überdeutlich: Die Stars allein bringen es nicht - wenn überhaupt. Um zur Geltung zu kommen, brauchen sie ein funktionierendes Team, und mitunter entpuppen sich solide, aber stets
übersehene Teamspieler als die eigentlichen Stars auf dem Rasen. Arne Friedrich, zum Beispiel.
Genauso geht es den floralen Akteuren im (bei mir ja ganz und gar rasenfreien) Garten. Frauenmantel? Igitt, wie gewöhnlich! Den hat doch wirklich jeder! Und ich sage Euch: Zum Glück! Denn Alchemilla mollis (meinetwegen auch A. erythropoda) ist schlicht und einfach eine Schönheit, ganz gleich, ob man ihre grüngelben Schleier aus der Ferne genießt oder die eigentümlichen Sternchenblüten aus der Nähe betrachtet. Und diese Staude wächst nur deshalb überall, weil sie eben so robust, zuverlässig, absolut zickenfrei und obendrein schneckenfest ist. Ich glaube, ich habe noch nie einen Schädling auf Alchemilla gesehen.
2 Kommentare »
02. Juli 2010
Wenn der “rote Hahn” auf dem Dach sitzt, ist das seit alters her ein Fall für die Feuerwehr. Im Garten verhält es sich nicht anders: Wenn das lackrote Lilienhähnchen in Erscheinung tritt, muss man handeln. Schnell.
Leicht fällt das nicht, denn das Lilienhähnchen ist so ziemlich der hübscheste Käfer, den ich kenne. Trotzdem darf man keine Gnade walten lassen. Denn nicht nur nagt das Krabbeltier selbst an Lilienblättern, sondern, schlimmer noch, es hinterlässt viele, viele orangefarbene Eierchen, aus denen sehr, sehr hungrige Maden schlüpfen. Beginnt man nicht spätetens jetzt mit regelmäßigen Razzien, ist es um die Lilie geschehen.
3 Kommentare »
16. Juni 2010
Auf meiner Terrasse drängen sich die Kübel mit Paprika, Auberginen, heimatlosen Tomatenpflanzen und den Sommerblumen, die meine Tochter Dora unbedingt aussäen wollte, für die im Garten aber kein Fußbreit Platz mehr war. Die großen Gefäße haben Unmengen Erde geschluckt – und sind nun Schauplatz eines Experiments.
Ich möchte nämlich versuchen, auf Torf weitestgehend zu verzichten. Zwar wird in Deutschland nur noch wenig von dem braunen Faserzeug abgebaut, doch hat sich die Torfgewinnung nun ins Baltikum verlagert, wo sie großflächig Moore zerstört. Im Handel gibt es zwar torffreie Erden, doch habe ich damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Produkte der Firma Neudorff kann ich im großen und ganzen empfehlen, doch sind sie ziemlich teuer; billigere Substrate aber riechen zum Teil wie Rindenmulch, und entsprechend schlecht gedeihen die Pflanzen darin. Nicht ausreichend kompostierte Rinde entzieht dem Substrat nämlich Nährstoffe und kann obendrein Substanzen frei setzen, die das Pflanzenwachstum hemmen.
Keine Kommentare »
10. Juni 2010
Manchmal hat man einfach Glück. Endlich habe ich ein paar freie Tage, weil der eine oder andere Auftraggeber es nun doch nicht so eilig hat - und das gerade dann, wenn in Berlin der Sommer einzieht.
Neben Gartenarbeit (heute die letzten Setzlinge ausgepflanzt, Radieschen und Mangold nachgesät, nicht kletternde Kletterhortensie entwirrt und aufgebunden), ausgedehnten Café-Aufenthalten und fleißigem Bloggen habe ich die Zeit genutzt, um den bereits erwähnten Prinzessinengarten in Kreuzberg zu besuchen.
Es hat mich ja schon gewurmt, dass erst meine Freundin und Öko-Mode-Bloggerin Kirsten aus Hamburg mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht hat, obwohl es nur ein paar Fahrradminuten von meinem Zentralgarten entfernt stattfindet und obendrein rauf und runter von den Medien durchdekliniert wurde. “Urban Farming” betreiben die Initiatoren dort am Moritzplatz, dazu ein kleines Café in einem Frachtcontainer, wo ich mir einen Latte Macchiato gegönnt und die Sache in Augenschein genommen habe.
1 Kommentar »