24. Februar 2010
In letzter Zeit habe ich mich beim Bloggen ja etwas zurückgehalten, und das lag nicht nur am Schnee. Es hatte auch mit Dinosauriern zu tun. Über deren Evolution habe ich für ein Magazin gerade einen Artikel
geschrieben und bin dabei so sehr dem Dino-Fieber verfallen wie zuletzt mit acht Jahren, als ich noch Paläontologin werden wollte. Dank an dieser Stelle an Heinrich Mallison vom Berliner Naturkunde-Museum, der mich bis in den Knochenkeller seines Hauses führte, wo auf Lagerregalen die Relikte der Urzeitviecher vor sich hin stauben. Hat jemand schon einmal die Klaue eines Sauriers in der Hand gehalten, der vor 200 Millionen Jahren gelebt hat? Ein eigenartiges Gefühl.
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04. Februar 2010
Da ich ja in meinem Garten nach wie vor nur weiß sehe, habe ich mich wieder einer weiteren
Lieblingsbeschäftigung zugewandt: Gartenbücher lesen. Und siehe da, endlich hat die Bibliothek den Band “Die geheimen Gärten von Berlin” ausgespuckt, nach dem ich hier ja schon einmal gefragt wurde. Also eine kurze Rezension.
Ein gediegenes Buch, keine Frage, sehr gut fotografiert, nett zum Blättern. Aber, liebe Rita, kaufen würde ich es mir nicht. Weil mir die Auswahl doch zu konventionell ist – schöne, repräsentative, aber nicht sonderlich originelle Gärten. Um nicht zu sagen: bieder. Klar, da ist der eine oder andere spektakuläre Villengarten mit Wassergrundstück, aber mir fehlt doch der zeitgemäße Touch. Mit einer Ausnahme vielleicht finden sich keine Beispiele moderner Pflanzenverwendung, kein wirklich frisches Design. Und deshalb für mich auch keine Inspiration.
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02. Februar 2010
Wer zu müde zum denken ist, sollte auch nicht bloggen - und schon gar keine Spamkommentare löschen. Dabei ist mir nämlich der GAU passiert, und so ziemlich alle Kommentare der letzten Wochen sind im Nirwana gelandet. War keine Absicht, sondern nur eine durchwachte Nacht. Und jetzt schneit es auch noch. Ich wandere aus. Irgendwohin, wo es weder Schnee noch schreiende Kinder oder Erkältungsviren gibt, sondern tropisch wuchernde Gärten, die nicht wochenlang einfach verschwinden wie gelöschte Kommentare…
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14. Januar 2010
Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort
sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.
Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.
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23. Dezember 2009
“Deadheading” nennen die Briten etwas makaber das Abschneiden verblühter Blumen und Samenstände. Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass das herbstliche Köpfen aller verdorrten Stauden und
Stängel nicht sehr ökologisch ist. Denn in hohlen Halmen überwintern viele Insekten, und Vögel picken gern an Samenständen. Dieses Jahr waren bei mir wieder die Stieglitze zu Gast – inzwischen sind sie zu viert –, um die Köpfchen der Karde leerzufuttern. Aber auch an anderen Samenständen, zum Beispiel der Echinaceen, bedienen sich die Vögel gern.
Wer jeden verblühten Halm kappt, beraubt sich aber auch einer ästhetischen Dimension des Gartens: Trockene Halme und Kapseln können ungemein dekorativ aussehen – vor allem, wenn der Schnee ihnen, wie in den letzten Tagen, Häubchen aufsetzt. Aber mit der Ästhetik ist das so eine Abwägungssache: Was der eine grafisch reizvoll findet, erscheint dem anderen trist und morbide.
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14. Dezember 2009
Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und
Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.
Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.
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10. Dezember 2009
Ich bin süchtig nach Gartenbüchern, ich bekenne es. Leider hinterlässt ihr Konsum oft ein ähnlich schales Gefühl wie das obsessive Leeren einer Chipstüte oder das heimliche Vertilgen der
Schokoweihnachtsmänner, die eigentlich dem Nachwuchs zugedacht waren. Die immer gleichen schönen, glatten Bilder, die belanglosen Texte – wie viele Stunden habe ich schon mit so wenig anregender Lektüre vertan!
Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der deutschen Bücher über Gartengestaltung einen rosenrüschig-romantischen Stil propagiert, der weder zu mir noch zu meinem Garten mitten in der Großstadt passt. Die restlichen Werke widmen sich dann den repräsentativen Natursteinorgien samt Schwimmteich und Formgehölzen. Auch nicht mein Ding.
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30. November 2009
Es gibt ja Kinder, die können gut malen, und solche, die da nicht so begabt sind. Letztere zeichnen zum Beispiel einen Baum mit einem gleichmäßig dicken Stamm und kugelrunder Krone. Die anderen haben
spätestens im Alter von fünf Jahren beobachtet, dass ein Baumstamm kein Rohr ist und eine Baumkrone selten ein Ball. Leider machen manche Menschen diesen Erkentnisfortschritt nie mit, und wenn sie dann alt genug sind, einem Landschaftsgärtner viel Geld hinterherzuwerfen, lassen sie sich Dauerlutscher vor die Tür setzen.
Ich rede von der grassierenden Marotte, statt anständiger Bäume mopartige Gebilde mit runder Krone zu pflanzen, und das paarweise, wenn nur irgend möglich. Allein von meinem Schreibtisch aus genieße ich den Blick auf fünf solche Trauergestalten in fünf Gärten (!). Bei vieren davon handelt es sich um Kugelahorne, die fünfte ist eine Kugelrobinie.
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27. November 2009
Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden
notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.
Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.
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16. November 2009
Das Ehepaar G. zwei Häuser weiter, beide erfolgreiche Juristen, hat weder Zeit noch Lust, sich mit seinem Garten zu befassen. Deshalb ließen sie ihre Parzelle im streng minimalistischen Stil begrünen: Rollrasen,
Buchshecke und drei antennenartig deformierte Platanen, die einmal so eine Art Laube ergeben sollen. Leider haben die G.’s, jeglicher botanischer Kenntnisse unverdächtig, nicht geahnt, dass auch ein Rollrasen Pflege benötigt: Er will gemäht werden!
Also sieht (und hört) man Herrn G. im Sommer alle zwei Wochen samstags den Rasenmäher herumschieben, wobei ihm seine Gattin Gesellschaft leistet. Einmal hörte man sie stöhnen: “Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit so ein Rasen macht, hätten wir einen japanischen Kiesgarten angelegt!”
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