Bitte kein Buchs
Eigentlich ist Buchsbaum eine wunderbare Pflanze, wenn auch ein wenig unspektakulär. Er wächst ausgesprochen langsam, aber fast überall, und wenn er alt wird, bildet er wenig mehr als mannshohe, knorrige Bäumchen. Im Berliner Tiergarten sind eine Reihe dieser XXL-Bonsais zu bewundern. Besonders mag ich den Duft der unscheinbaren Blüten, die sich im Spätwinter öffnen und ein würziges Aroma verströmen.
Leider haben die allerwenigsten Buchsbäume je die Chance, Blüten hervorzubringen, geschweige denn zu knorrigen Veteranen heranzuwachsen. Leider scheinen die meisten Garten- oder auch nur Pflanzkübelbesitzer der Ansicht zu sein, man müsse Buchsbäume regelmäßig frisieren wie Pudel.
Und leider, leider, leider kann man nirgendwo mehr hinschauen, ohne eine dieser kugel-, kegel- oder dauerlutscherförmig deformierten Gestalten zu Gesicht zu bekommen. Wie eine strenge, grüne Armee haben sie Berlin-Mitte (und, ich fürchte, auch den Rest der Gartenwelt) überrollt. Sie stehen Spalier vor Hotels und Geschäften, sind vor Bürokomplexen aufmarschiert und beziehen strategisch Position auf allen Balkonen. Meine Lieblingsbuchsbäumchen bewachen einen blank polierten Hydranten, der ein bisschen an einen Droiden aus „Star Wars“ erinnert.
Es ist ja nicht nur, dass ich dieser Monotonie überdrüssig bin. Hinzu kommt, dass ein neuerdings grassierender Pilz namens Cylindrocladium buxicola begonnen hat, die Buchsbaumregimenter dahinzuraffen wie einst das Fleckfieber Napoleons Armee.
Also, pflanzt keinen Buchs. Glaubt mir, ein Paar Buchskugeln im verzinkten Kübel machen aus einem Reihenhaus kein Versailles und aus einem Berliner Friseursalon kein Grand Hotel. Wenn es unbedingt rund ums Jahr grün sein soll, pflanzt Skimmien oder Fleischbeeren (Sarcococca), beides hübsche Kleinsträucher mit großartig duftenden Blüten, oder, wenn’s ein bisschen größer werden darf, Stechpalmen (Ilex) oder meinetwegen den guten, alten Liguster. Der ist zwar nicht gerade eine Diva der Botanik, ernährt aber immerhin 21 Tierarten, und ohne Ligusterduft ist ein Sommer kein Sommer. Oder pflanzt Rosmarin, wenn es bei Euch im Winter nicht zu kalt wird (die Sorte „Arp“ soll bis 20 Grad minus aushalten), oder die elegante Japan-Segge (Carex morrowii). Oder, oder, oder.
Aber wenn Ihr unbedingt Buchsbaum pflanzen wollt, dann, bitte, lasst ihn wachsen.
27. November 2008 um 19:59
Bei allem Respekt. Da geben sich die Leute schon Mühe, nicht nur auf öden Rasen zu setzen und du schimpfst. Aber wenigstens gibt es ein paar Tipps, was ich lieber pflanzen sollte. Diese Skimmien, sind die exotisch oder einheimisch?
28. November 2008 um 10:43
Kirsten: Skimmien stammen aus Japan und sind damit unter ökologischen Gesichtspunkten sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber sie sind schön! Leider ist in der einheimischen Pflanzenwelt die Auswahl an immergrünen Gehölzen nicht überwältigend, aber Ilex und Liguster (und ja, auch der Buchs) zählen dazu, außerdem natürlich etliche Nadelgehölze, die aber in der Regel viel zu groß werden. Vom Ilex gibt es ein paar schwach wachsende Züchtungen, die es auch im Kübel aushalten. Aber vielleicht muss es ja gar nicht immer und überall immergrün sein?
04. Dezember 2008 um 12:03
Jetzt muss ich mal eine Lanze für den Buchs brechen (auch wenn die zurechtgestutzten Kübelpflanzen wirklich eine bescheuerte Mode sind): Geh mal in Schleswig-Holstein über einen dieser alten Friedhöfe, die um die Kirchen herum liegen. Fast alle Grabstellen sind mit kleinen Buchsbüschen eingefasst, und die verströmen einen ganz eigenen Duft. Und - falls es dich eher in den Süden zieht - in den Gartenanlagen der Alhambra in Granada findest du auch Buchs! Mein schleswig-holsteinischer Großmutter-bei-der-Grabpflege-helfen-Kindheitsduft umgab mich plötzlich im fernen Spanien und entführte mich nach Angeln. Das ist doch was!