Der Kompostkrieg
Vor zwei Wochen hatte ich wieder einmal Besuch vom Gesundheitsamt. Diesmal erschien eine ganze Delegation: Frau R., zuständig für die Rattenbekämpfung im Bezirk Mitte, ihr Chef, Leiter der Abteilung Hygiene und Umweltmedizin, sowie gleich zwei gestandene Kammerjäger. Ziel der Visite: mein Komposthaufen.
Wer nicht erschien, war Nachbar H., obwohl er doch die treibende Kraft hinter dem Stelldichein in meinem Garten war. Frau R. ließ den Termin stoisch über sich ergehen, um, wie sie mir geschrieben hatte, „weiteren Briefen und Fotos verendeter Ratten vorzubeugen“. Schließlich hatte sie meinen Komposthaufen bereits vor einem halben Jahr inspiziert und für rattenfrei erklärt.
Seit damals weiß ich eine Menge über das Treiben der Ratten im Berliner Untergrund. Der birgt wegen all der Kriegstrümmer zahllose Kavernen und Hohlräume, so dass unter der Hauptstadt gleichsam eine zweite, unheimliche Metropole liegt. Frau R.’s Aufgabe ist es, deren Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Nicht mehr und nicht weniger.
Deshalb wies sie Herrn H., der behauptete, mein Kompost würde nicht nur Ratten, sondern auch Mäuse und Füchse anlocken, auch entschieden zurecht: „Für Füchse sind wir nicht zuständig“, erklärte sie mir kopfschüttelnd, „dem habe ich die Nummer der Oberjagddirektion gegeben.“
Den ganzen Sommer lang wartete ich gespannt auf einen Waidmann, der sich mit der Flinte im Anschlag hinter meinem Holunder auf die Lauer legt – vergeblich. Herr H. freilich mochte sich auch mit einem amtlich beglaubigten Kompost im Hinterhof nicht abfinden, so dass ich nun immerhin die zwei Kammerjäger empfangen konnte. Die Herren waren übrigens ortskundig und hatten ihre eigene Theorie, woher die (wie ich meine: sehr seltenen) Ratten in unserem Innenhof kommen: Ein Drainagerohr in der Nachbarschaft diene ihnen als Einfallstor. Tja, und nun ratet mal, wem das Corpus delicti gehört?
27. November 2008 um 19:56
So ein Komposthaufen ist eine feine Sache. Eigentlich brauchst du aber auch eine paar Gänse mit wunderschönen langen Hälsen, die Wache halten (wegen des marodierenden Nachbarn) und obendrein noch die Schnecken vertilgen. Solltet ihr allerdings einen Fuchs haben, dann brauchst du noch einen Unterschlupf für die tierische Patrouille. Stadtgärten werden als Biotop wirklich unterschätzt.
28. November 2008 um 10:47
Vor allem, was Schnecken angeht. Aber das ist ein Thema für sich…
Füchse gibt es in Berlin-Mitte übrigens wirklich eine ganze Menge, die werden geduldet, weil sie niemandem schaden. Und in einem Parkhaus am Alexanderplatz soll sogar ein Waschbär logieren!