Archiv für Dezember 2008

O Tannennbaum?

Samstag, 20. Dezember 2008

Ja, so singen wir dieser Tage wieder, jedenfalls diejenigen unter uns, die Kinder im weihnachtsfähigen Alter haben. Und, Tannenbaum, was will Dein Kleid uns nun lehren? Dass Koniferen wunderschön sind (sofern der saure Regen ihr Kleid nicht gelöchert hat), würde ich frech behaupten, und zwar vor allem in ihrem natürlichen Habitat in Gebirge und Taiga. Dort also, wo auch der Schnee noch leise rieselt. Jedenfalls weit weg von unseren Gärten.

Denn “Trost und Kraft zu jeder Zeit” empfinde ich nicht beim Anblick der friedhofsgrünen Eibenhecken meiner Nachbarn, obwohl diese, wie ich zugeben muss, einen exzellenten Hintergrund für meine Staudenpflanzungen abgeben. Mich stimmt nämlich das Werden und Vergehen im Garten viel fröhlicher als die sich im Laufe der Jahreszeiten kaum verändernde, immer etwas düstere Präsenz der Nadelbäume. 

Exotik von der Insel

Montag, 15. Dezember 2008

Wie wohl für jeden ernsthaft an Gärten Interessierten ist England auch für mich das gelobte Land. Und im September hatte ich eine ganze Woche Zeit, im Süden der Insel herumzufahren und mir Gärten, Gärten, Gärten anzuschauen. Einer davon lässt mir keine Ruhe, und zwar ausgerechnet einer, von dem ich mir gar nicht viel versprochen hatte: Great Dixter, Wirkungsstätte des in Großbritannien äußerst populären, 2006 leider verstorbenen Gartengurus Christopher Lloyd, ein Enfant terrible der Hortikultur.

Blüten im Winter

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Manche Leute versuchen, der Dezember-Depression mit Lichterketten und dem Besuch von Weihnachtsmärkten entgegenzuwirken. Ich hingegen finde, nichts hellt das Gemüt bei nass-kalt-grauem Winterwetter mehr auf als der Anblick einer Pflanze, die in voller Blüte steht. In meinem Garten halten derzeit drei Kandidaten die Stellung: Da ist die Chrysantheme “Herbstrubin”, die Mahonie “Winter Sun” und natürlich der duftende Schneeball Viburnum farreri.

Alle drei bewundere ich umso mehr, als ich sie in letzter Zeit übel misshandelt habe: Der Mahonie habe ich beim Umpflanzen einen guten Teil ihres Wurzelwerks gekappt. Kurz darauf begann sie zu blühen, und ich hoffe inständig, es handelt sich nicht um ein letztes, glorreiches Aufbäumen vor dem Exitus. Die Chrysantheme litt in diesem trockenen Sommer unter chronischem Durst, da sie im Vorgarten wächst und ich dort idiotischerweise auf einen Wasseranschluss verzichtet habe. Und den Schneeballstrauch ließ ich von den Prunkbohnen überwuchern, die so schwer wurden, dass einige Zweige brachen.

Es lebe der Beton

Dienstag, 09. Dezember 2008

Quelle: Stadt Frankfurt am Main

Nun muss ich meine Meinung von gestern zumindest teilweise revidieren, erreicht mich doch gerade eine Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe, die einen ehemaligen Hubschrauberlandeplatz bei Frankfurt als Naturparadies ausgezeichnet hat. Flora und Fauna scheinen den alten, brüchigen Beton zu lieben; man hat nicht weniger als 300 Gefäßpflanzen auf dem Gelände ausgemacht. Seltene Vogelarten wie der Steinschmätzer sind Stammgast.

Also, noch ist auch in hier in Berlin nichts verloren. Vor meinem inneren Auge sehe ich Hundertschaften von Gefäßpflanzen die Fugen der öden Spreepromenade im Regierungsviertel aufbrechen; der Steinschmätzer nistet im Gestein der Friedrichstraßen-Lochfassaden, und auf den Parkplätzen meiner geschätzten Nachbarn sprießen urbane Wälder. (Die übrigens das Stadtklima enorm verbessern und deren Pflanzung auf Brachflächen deshalb in Leipzig Gegenstand eines Forschungsvorhabens ist.) Also, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil: Es lebe der Beton!

Der steinerne Garten

Montag, 08. Dezember 2008

Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann alias “Der Steinerne” (Tagesspiegel) ist schon viel geschimpft worden, und eigentlich ist es undankbar, wenn ich in den Chor einstimme: Schließlich würde es das Viertel, in dem ich wohne, ohne diesen Herrn wohl nicht geben. Andererseits habe ich Stimmann auf Diskussionsveranstaltungen als Buchsbaum-Nostalgiker erlebt, der sentimental von Vorgärten im viktorianischen Stil schwärmte. Doch hat er verhindert, dass praktisch alle Vorgärten in unserer Nachbarschaft zu Kfz-Stellplätzen umgewidmet wurden? Von wegen. 

Sonnenknollen

Mittwoch, 03. Dezember 2008

Soll ich oder soll ich nicht? Seit über einer Woche schon habe ich Lust auf eine Topinambur-Suppe zum Abendessen, kann mich aber nicht aufraffen, ein Pfund Knollen auszubuddeln. Das liegt sicher zum einen am unerfreulichen Wetter, hat aber auch mit Nachbar E. zu tun. Eigentlich gehört E. zu den wenigen Freunden meines Gartens im Viertel; er ist sogar aktiver Befürworter der Kompostierung im Innenhof.