Sonnenknollen
Soll ich oder soll ich nicht? Seit über einer Woche schon habe ich Lust auf eine Topinambur-Suppe zum Abendessen, kann mich aber nicht aufraffen, ein Pfund Knollen auszubuddeln. Das liegt sicher zum einen am unerfreulichen Wetter, hat aber auch mit Nachbar E. zu tun. Eigentlich gehört E. zu den wenigen Freunden meines Gartens im Viertel; er ist sogar aktiver Befürworter der Kompostierung im Innenhof.
Trotzdem - oder gerade deshalb - bringt E. mich regelmäßig in Verlegenheit. Denn wann immer er mich im Garten werkeln sieht, ruft er mir von seinem Balkon im vierten Stock vergnügt zu: “Sind die Kartoffeln schon reif?” Und obwohl ich nach zwei Jahren des Grabens, Jätens, Schuftens unter den Augen der Nachbarschaft und ungezählter Bauarbeiter so ziemlich alle Hemmungen abgestreift habe, sind Kartoffeln doch so etwas wie das letzte Tabu. Selbst ich finde Kartoffeln im Garten uncool, auch wenn sich meine geliebten britischen Gartenmagazine beim Lob des Aromas selbst gezogener “Red Duke of York” geradezu überschlagen.
Nun ist E. ein eminenter Designer und großer Technikliebhaber, der in seiner Garage einen Oldtimer mit Wankelmotor hütet, aber ob er sich über den Unterschied zwischen Sonnenblume und Nachtschattengewächs im Klaren ist? Denn eine Sonnenblume ist die Topinambur (Helianthus tuberosus) ja, und zwar eine extrem wuchsfreudige. Im Oktober überragten ihre kleinen gelben Blütenköpfe alles andere in meinem Garten, den Felsenbirnenbaum einmal ausgenommen.
Lehrbuchgemäß hatte ich letzten Februar drei kleine Knöllchen aus dem Gemüseladen ganz hinten am Grundstücksrand versenkt. Als sich Ende April noch immer nichts regte, trieb ich zwei weitere Knollen in Töpfen an. Eine Woche später stand ich mit fünf Pflanzen da, und da ich vollkommen unfähig bin, hoffnungsvolle junge Gewächse wegzuwerfen, brachte ich die beiden Neuen noch irgendwo zwischen Liguster und Johannisbeersträuchern unter. Alle wuchsen und gediehen - und wie!
Neulich, beim Umpflanzen einer Akelei, stieß ich dann auf zwei makellose, appetitliche Knollen. Das gab mir zu denken, denn der Fundort lag fast einen Meter von einer der Monstersonnenblumen entfernt. Wenn ich diese Distanz zugrundelege und auf fünf Pflanzen hochrechne… vielleicht wird es Zeit für so einen kleinen Verkaufsstand vor der Haustür…
03. Dezember 2008 um 13:30
Manufakturen sind total in! Vielleicht Kartoffelsuppe mit Bockwurst? Nie mehr bibbern im kalten Berlin. Oder wolltest du vielleicht roh verkaufen und zum Selberkochen auffordern? Geht gar nicht. Convenience ist angesagt, wir müssen alle noch für Weihnachten einkaufen. By the way and for all the gardeners: Welche britischen Gartenmagazine liest du denn gerne?
03. Dezember 2008 um 13:45
Kirsten: Na, meine Lieblingspublikation ist “Gardens Illustrated“, herausgegeben von der BBC. Da ich selbstredend Mitglied der ehrwürdigen Royal Horticultural Society bin, kommt auch deren Heft “The Garden” ins Haus. Und dann gibt’s für Unersättliche wie mich noch “The English Garden“. Derweil ich mit mir ringe, ob ich “The Plantsman” abonnieren soll… Schließlich hält mein Gatte mich eh für spleenig, da kommt es auf ein Blatt mehr auch nicht an.