Der steinerne Garten

Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann alias “Der Steinerne” (Tagesspiegel) ist schon viel geschimpft worden, und eigentlich ist es undankbar, wenn ich in den Chor einstimme: Schließlich würde es das Viertel, in dem ich wohne, ohne diesen Herrn wohl nicht geben. Andererseits habe ich Stimmann auf Diskussionsveranstaltungen als Buchsbaum-Nostalgiker erlebt, der sentimental von Vorgärten im viktorianischen Stil schwärmte. Doch hat er verhindert, dass praktisch alle Vorgärten in unserer Nachbarschaft zu Kfz-Stellplätzen umgewidmet wurden? Von wegen. 

Vielleicht ist ja der gefühlte Unterschied zwischen Buchsbaum-Parterre und Granit-Kleinpflaster auch gar nicht so groß. Diesen Eindruck gewann ich jedenfalls beim Durchblättern des kürzlich von Stimmann herausgegebenen Buches “Gärten, Plätze, Promenaden: Neueste Gartenkunst in Berlin“. Über Kunst mag ich mir kein Urteil anmaßen, schließlich ist jeder Mensch ein Künstler, also auch jeder Landschaftsarchitekt. Aber Garten? Nee, Leute, mit Gärten haben diese Orgien in Pflaster und Beton so viel zu tun wie ein Reiterstandbild mit einem Bauernhof.

So sehr ich moderne Architektur schätze, so deprimierend finde ich es, dass Pflanzen in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur meist nur Beiwerk sind - sofern überhaupt vorhanden. Das beste Beispiel ist der Park in unserem Viertel: Einst eine durchaus ansprechende, wenn auch etwas vernachlässigte Grünanlage mit alten Bäumen, blühenden Sträuchern und einem Spielplatz aus DDR-Zeiten. Aber so unkontrolliert sprießende Vegetation in der repräsentativen Berliner Mitte durfte natürlich nicht sein.

Also wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, der Großteil der Bäume abgeholzt, sämtliche Sträucher gerodet und das Gelände komplett aufgegraben. Mit viel Aufwand (Berlin muss ja bekanntlich sparen, dass es quietscht…) entfernte man den Schutt im Untergrund und verfüllte die Grube mit Sand. Tagelang trieben uns die Rüttelmaschinen in den Wahnsinn. Schließlich brachte man Erde aus – und säte Rasen (!).

Ja, man hat auch ein paar junge Bäumchen gepflanzt und eine Hecke ringsum, aber insgesamt bleibt der Eindruck gähnender Leere. Aus einem hübschen Park wurde ein sparsam begrünter Platz. Eine Blume bekommen die Kinder, die auf dem neu angelegten Spielplatz herumtoben, hier garantiert nie zu Gesicht, verstecken kann man sich auch nirgendwo, und über Natur in der Stadt reden wir jetzt besser nicht.

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