Blüten im Winter
Manche Leute versuchen, der Dezember-Depression mit Lichterketten und dem Besuch von Weihnachtsmärkten entgegenzuwirken. Ich hingegen finde, nichts hellt das Gemüt bei nass-kalt-grauem Winterwetter mehr auf als der Anblick einer Pflanze, die in voller Blüte steht. In meinem Garten halten derzeit drei Kandidaten die Stellung: Da ist die Chrysantheme “Herbstrubin”, die Mahonie “Winter Sun” und natürlich der duftende Schneeball Viburnum farreri.
Alle drei bewundere ich umso mehr, als ich sie in letzter Zeit übel misshandelt habe: Der Mahonie habe ich beim Umpflanzen einen guten Teil ihres Wurzelwerks gekappt. Kurz darauf begann sie zu blühen, und ich hoffe inständig, es handelt sich nicht um ein letztes, glorreiches Aufbäumen vor dem Exitus. Die Chrysantheme litt in diesem trockenen Sommer unter chronischem Durst, da sie im Vorgarten wächst und ich dort idiotischerweise auf einen Wasseranschluss verzichtet habe. Und den Schneeballstrauch ließ ich von den Prunkbohnen überwuchern, die so schwer wurden, dass einige Zweige brachen.
Aber im Sommer, wenn es an allen Ecken blüht, neigt man eben dazu, die Gewächse zu ignorieren, die erst im Winter ihren Auftritt haben. Dabei sollte man sie hätscheln und päppeln, denn im Dezember ist jede Blume ein Ereignis, das man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen darf. Ich bin gespannt, ob mein Garten in diesem Jahr der Devise des seligen Gartenpapstes Karl Förster folgt: “Es wird durchgeblüht!”
Chrysantheme & Co. müssten dazu allerdings noch vier Wochen durchstehen; in diesem Jahr öffnete sich die erste Blüte der Saison am 10. Januar. Es war eine Christrosen-Hybride (Helleborus x orientalis “Bollene”), und sie blühte ein geschlagenes Vierteljahr lang. Blumen im Winter haben nämlich nicht nur den Vorzug, dass sie rar sind - sie halten auch lange.
12. Dezember 2008 um 08:28
Oh je, der einzige Farbklecks in meinem Garten sind ein paar liegengebliebene Äpfel, die ich beim Abernten des Apfelbaumes vergessen habe. Dafür lagert alles, was ich nicht gleich verarbeitet habe, fein aufgestapelt auf einem Garagenregal und liefert ein probates Mittel gegen meine Depressionen: Apfelmus. Was sagen die Gartenpäpste zu Obstbäumen, die wenig ornamental, dafür sehr nutzwertig sind?
16. Dezember 2008 um 15:06
Ja, Karl Förster, der “Gartenphilosoph”, wie man ihn nennt. Dass Leben ohne Phlox bloße Existenz, doch kein Leben sei - diese und viele andere tiefe Wahrheiten, sie alle stammen vom ihm. Wer Försters Werke studieren will, tut es hier: http://www.netzart.de/senkgarten/Geschichte.html. Oder, besser noch, er begibt sich nach Potsdam, wo man seinen Senkgarten gar zum Teil de UNESCO-Kulturerbes der Potsdamer Gartenlandschaft erhob.
16. Dezember 2008 um 15:09
PS. Gedeiht im harten brandenburgischen Klima das echte Johanniskraut (Hypericum perforatum)? Gehen wir also hinaus in den Garten, ernten wir selbst gezogenes Antidepressivum!