Exotik von der Insel

Wie wohl für jeden ernsthaft an Gärten Interessierten ist England auch für mich das gelobte Land. Und im September hatte ich eine ganze Woche Zeit, im Süden der Insel herumzufahren und mir Gärten, Gärten, Gärten anzuschauen. Einer davon lässt mir keine Ruhe, und zwar ausgerechnet einer, von dem ich mir gar nicht viel versprochen hatte: Great Dixter, Wirkungsstätte des in Großbritannien äußerst populären, 2006 leider verstorbenen Gartengurus Christopher Lloyd, ein Enfant terrible der Hortikultur.

Letzteres deshalb, weil er die an pastellfarbene, geschmackvoll arrangierte Rabatten gewohnten Briten mit schrillen Farbkombinationen zu schockieren pflegte: Pink und orange? Rot und lila? Why not? Als er dann noch den ehrwürdigen Rosengarten seines Landsitzes aus dem 15. Jahrhundert roden ließ und eine exotische Pflanzung mit Bananen, Palmen und grellfarbigen Dahlien anlegte, war der Skandal perfekt. Und eben diese Pflanzung hat auf mich mehr Eindruck gemacht als alles andere, das ich in England gesehen habe.

Dabei mag ich eigentlich keine exotischen Gärten, jedenfalls nicht in unseren Breitengraden. Aber dieses Gefühl, einen Dschungel zu durchstreifen, dessen Blüten meine Schultern streifen, über meinem Kopf schaukeln, diese starke physische Präsenz der Pflanzen war einfach umwerfend. Dazu die Knallfarben, die riesigen, üppigen Blätter - ein Gefühl wie Alice im Wunderland.

Ja, das wäre die Alternative für einen Garten wie meinen, mitten in der Stadt, isoliert von jeglicher Landschaft, auf deren Charakter es Rücksicht zu nehmen gilt. Leider sind meine 140 Quadratmeter - geprägt von eher natürlich wirkenden Staudenpflanzungen - voll. Hat jemand noch einen Garten für mich?

Ich weiß, Ökologen werden mir jetzt vorhalten, dass all diese Exoten steril wie Gummibäume sind und Tieren keine Nahrung bieten. Den Einwand nehme ich ernst, gebe aber zu bedenken, dass niemand einen hindert, die rein dekorativen Pflanzen mit ökologisch wertvollen Gewächsen zu mischen. Da gibt es genug Arten, die prima ins Bild passen: Den Vögeln könnte man Karden, Sonnenblumen und einen Ebereschenbaum mit knallorange Beeren servieren, für Falter und Hummeln bieten sich Schmetterlingsstrauch (Buddleja), Mannstreu (Eryngium) und Königskerze (Verbascum) an, und den Raupen ließen sich ein paar großblättrige, ansehnliche Kohlpflanzen vorsetzen - mein Favorit ist der purpurfarbene Grünkohl “Redbor”. Also, wie wär’s?

2 Antworten zu “Exotik von der Insel”

  1. Salaì sagt:

    “Es gibt kein wahres Leben im falschen”: da mag Herbert Marcuse Recht gehabt haben oder auch nicht. Aber sicher gibt es keinen falschen Garten im wahren!

  2. China man sagt:

    hey…

    Not enought information…

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