Einstweilige Verwunderung

Neues aus der Nachbarschaft: Es scheint, als habe H. die Kompostschlappe nicht recht überwunden. Jedenfalls flatterte gestern ein Brief ins Haus, in dem er uns untersagt, seinen Pflasterweg noch einmal zu betreten, wie zuletzt am 21.12. um 12.40 Uhr geschehen. Um “unser Eigentum zu schützen” droht Herr H. für den Fall der Nichtbeachtung mit einer einstweiligen Verfügung.

Wohlgemerkt, der Pflasterweg verläuft zwischen der friedhofsgrünen Eibenhecke des Herrn H. und unserem Garten; offenbar dient das Bauwerk dem ordnungsgemäßen Trimmen der Hecke. Ob Herr H. fürchtet, ich könnte seinen Koniferen etwas zuleide tun? Oder ist ihm langweilig? Fragen über Fragen.

Allerdings bereitet mir ein anderes Gartenproblem derzeit mehr Kopfzerbrechen: der Frost. Durch meine geliebten englischen Gartenzeitschriften und die Omnipräsenz des Themas Klimawandel verleitet, bin ich vielleicht ein bisschen zu keck geworden. So habe ich im Herbst nicht nur meinen Rosmarin ausgepflanzt, sondern auch eine aus England mitgebrachte Dierama, obwohl das südafrikanische Gewächs hierzulande nur für die Topfkultur empfohlen wird.

Und nun klebt das Thermometer seit Tagen unter Null, alles ist weiß, und ich bange um meine “Angel’s Fishing Rod”, wie die Dierama auf englisch heißt. Im Deutschen hört sie auf den eher abtörnenden Namen Trichterschwertel, aber Engels-Angel klänge auch nicht besser. Jedenfalls handelt es sich um eine absolut sensationelle Pflanze, mit meterhohen, schwankenden Halmen, an denen Blütenglöckchen in verschiedenen Pink- und Violett-Schattierungen baumeln. Das ganze sieht aus wie ein blühendes Gras.

Na, vielleicht hält meine Dierama ja durch; ich habe sie zumindest gut eingepackt und ihr ein Plastikhütchen übergestülpt. Ob sich H. von angelnden Engeln besänftigen ließe? Immerhin hegt er eine Vorliebe für halblebensgroße Nussknacker aus dem Erzgebirge…

3 Antworten zu “Einstweilige Verwunderung”

  1. Fr.Jona&son sagt:

    Na bin ich froh, daß ich mitten auf dem Land ohne unmittelbaren Anrainern schalten und walten kann, wie ich will! Zum Rosmarin: Der hat leider noch nie den Winter im Freien überlebt….bei meiner Freundin schon( auf der geschützten Südseite und über den Winter mit Fichtenzweigen zugedeckt.
    Nachbarn wie der Deine, die “Wildwuchs” nicht verstehen, können einem das Leben schwer machen….viel Kraft und Humor! Sonja

  2. Zentralgaertnerin sagt:

    Tja, der Rosmarin sieht auch schon ganz schön gebeutelt aus… Dann benutzte ich ihn eben gefriergetrocknet ;-)
    Aber es soll Sorten geben, die bis zu -20 Grad vertragen. Meiner war allerdings eine No-Name-Variante vom Wochenmarkt.

  3. maxima sagt:

    Hallo Zentralgärtnerin! Zunächst muss ich zu den guten Beiträgen gratulieren! Nachbarn können schon ganz amüsant sein ;o) da kommt bestimmt auch die Buchsbaumparade aus der Galerie her, oder? Zumindest würde das ja passen. Wie hat ihr Garten denn denn die Frostperiode überstanden? Vielleicht ist ja auch der teure Pflasterweg von Mr. H. aufgebrochen … ? Freue mich auf die nächsten Artikel! maxima

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