Grüne Woche

Da ich wegen einer Pressekonferenz unserer schicken Agrarministerin eh akkreditiert war, wollte ich mir heute mal anschauen, was die viel gerühmte Grüne Woche für Gärtner so zu bieten hat. Meine Erwartungen waren nicht hoch gespannt, wurden aber locker unterboten. So eine triste Veranstaltung!

Vor allem stieß ich in den Hallen 8 und 9 auf Stände, die Blumen-zwiebeln verkauften. Da lagen dicke Amaryllis-Zwiebeln, die ganz gut aussahen, aber ziemlich teuer waren, dazu Packungen mit Dahlien, Gladiolen und den üblichen Verdächtigen, meist in grauenhaften Farbmischungen. Dazu aber auch jede Menge Tulpen-, Hyazinthen- und Schneeglöckchenzwiebeln. Was um alles in der Welt soll ich im Januar mit Tulpenzwiebeln? Mikrobiologische Studien betreiben? Aber vielleicht ist die Ware ja auch so dick mit Fungiziden gepudert, dass man sie bequem ein Dreivierteljahr einlagern kann.

Ich kam an mindestens fünf dieser Stände vorbei, und alle boten sie dasselbe Sortiment zu denselben Preisen an. Andere Aussteller verkauften die unvermeidlichen Phalaenopsis-Orchideen oder Stauden in Pappkartons, bei denen man sich fragt, wie da noch ein Funken Lebensenergie drin stecken soll, und dann gab es Gartendeko und Wintergartensysteme und Gartenhäcksler. Das ganze entsprach 1:1 dem Angebot eines deutschen Baumarkts. Ach ja, in der „Internationalen Blumenhalle“ war auch ein Tulpenbeet angelegt sowie eine Kollektion von Mustergräbern.

Nicht nur dieses Memento mori ließ meine Laune sinken. Zu sehr erinnerte die ganze Schau daran, dass Pflanzen heutzutage vor allem Massenware sind, billig produziert, konfektioniert und zum schnellen Verbrauch gedacht. Und dass es offenbar genau das ist, was sich die meisten Gärtner wünschen.

Lustiger waren da schon die angrenzenden Hallen, in denen die Agrarwirtschaft der osteuropäischen Staaten ihre Leistungsschau abhielt. Angeheizt von schriller, lauter Volksmusik (Russland) und noch schrillerem Girlie-Pop (Ukraine) wurde fröhlich gezecht. Denn vor allem die ukrainische Lebensmittelindustrie scheint primär auf kristallklare Flüssignahrung zu setzen, die in wahrhaft überwältigender Sortenvielfalt zu bestaunen (und verkosten) war. Der Stoff hält schließlich warm, wenn die Russen das Gas abdrehen. Und mit genug Wodka lässt sich sogar die Grüne Woche ertragen, Ilse Aigner im Dirndl inklusive.

6 Antworten zu “Grüne Woche”

  1. Frank Bürger sagt:

    Vor 3 oder 4 Jahren war ich auch auf der Grünen Woche und ebenso von der “Gartenecke” enttäuscht. Wie du schreibst: Baumarktallerlei. Deswegen mal eine Frage: Wer kann denn eine gute Gartenmesse, die ja bald beginnen sollten, empfehlen?

  2. maxima sagt:

    Das würde mich auch sehr interessieren! Herr Bürger, sind sie schon fündig geworden?

  3. Frank Bürger sagt:

    Wirkliche Empfehlungen habe ich noch keine bekommen … habe für mir aber diese beiden vorgemerkt:

    Essen | Haus und Garten
    Leipzig | HAUS-GARTEN-FREIZEIT

    Eventuell kommen ja noch Tipps.

  4. Frank Bürger sagt:

    Sorry: habe für mir :)

  5. Zentralgaertnerin sagt:

    Ich war mal auf einer Home & Garden-Messe in Potsdam, aber mir gab es da zu viel Zubehör und zu wenig Pflanzen. Ich bin ja nicht so der Deko-Freund; was mich interessiert, ist bekanntlich das Grünzeug. Und eine gute Pflanzenmesse kenne ich gar nicht; ganz nett ist der Berliner Staudenmarkt, der zweimal jährlich im Botanischen Garten stattfindet, aber da gibt es eben nur Stauden.

  6. maxima sagt:

    die Haus und Garten werde ich sicher besuchen (mein Garten ist ja “zentral” im Ruhrgebiet gelegen) und vielleicht kann ich ja im April einen Berlin und Staudenmarktbesuch einplanen, scheint wirklich interessant zu sein!

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