Fashion Victim

Normalerweise bin ich ja alles andere als ein Modefreak. Meine Freundin und Konfektionsberaterin Kirsten kann es bis heute nicht fassen, dass ich unlängst von der Öko-Jeans, die sie mir empfohlen hatte, gleich zwei identische Exemplare gekauft habe. Entgeistert fragte sie, ob ich nicht wenigstens ein Modell mit einer anderen Ziernaht anprobieren wolle? Unfug, die Hose sah passabel aus, saß gut, war obendrein umweltgerecht und dann auch noch im Sonderangebot! Wozu also sollte ich mich mit weiteren lästigen Anproben herumärgern?

Leider fällt diese praktische Vernunft an der Gartentür vollständig von mir ab. Ich fürchte, auf meinen Beeten waltet derselbe Geist wie einst im Schuhschrank von Imelda Marcos. Braucht der Mensch wirklich sechs Sorten Christrosen, ebensoviele Funkien und sieben Sorten Storchenschnabel? Vor allem, wenn er gerade mal auf 130 Quadratmetern gärtnert?

Absolut. Schließlich muss ich sehen, wie sich all diese verlockenden Beschreibungen in den Staudenkatalogen in der Realitität manifestieren. Und es sind ja gerade die Nuancen, die kleinen Unterschiede zwischen Pflanzen derselben Art, die so faszinierend sind. Man muss ja nicht so weit gehen wie jene Enthusiasten, die Dutzende Sorten Schneeglöckchen sammeln, deren marginal unterschiedliche Zeichnung nur Experten auseinanderhalten können.

Wäre da nur nicht das schlechte Gewissen. Ausnahmsweise weniger aus ökologischen Gründen, denn sofern man im Freiland kultivierte Stauden oder Sträucher kauft, möglichst aus einer Bio-Gärtnerei, dürfte die Ökobilanz ziemlich günstig ausfallen. Nein, was mich plagt, ist das Geschmacksdiktat. Schließlich spart kein Buch über Gartendesign die Devise “weniger ist mehr” aus, um dann gute Ratschläge der Art zu erteilen: “Erstellen Sie einen Pflanzplan und halbieren Sie anschließend die Zahl der verwendeten Pflanzensorten.”  

Der von mir sehr geschätzte Gartengestalter und Guardian-Kolumnist Dan Pearson lästerte einmal über “this spotty complexion” von Sammlergärten. Nun schaue ich immer vom Balkon und frage mich beunruhigt: Hat mein Garten wirklich einen fleckigen Teint, womöglich Pickel? Kontemplativ wie ein Zen-Garten sieht er nun wirklich nicht aus. Ja, ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber das sagen meine Rollrasen-Nachbarn sicher auch und all die Gartenzwergfreunde dieser Welt…

5 Antworten zu “Fashion Victim”

  1. maxima sagt:

    Jaja, dieses “weniger ist mehr” ist für mich auch nur bedingt praktikabel! Rationalisierungsentscheidungen mag ich auch nicht. Auf mich wirken auch die vielen sorten teilweise so unterschiedlich, dass ich mich unmöglich für oder gegen eine Sorte entscheiden kann. Was solls, die Natur macht es uns ja vor: wenn die Verhältnisse es hergeben, siedeln sich die Pflanzen ja auch nicht nur vereinzelt an. Warum sollte ich dieses System in meinem Garten verbessern? Und über Geschmack lässt sich ja streiten. Kann mir schon vorstellen, dass Rollrasenbesitzer da einen etwas anderen Geschmack haben … Liebe Grüße, maxima

  2. Fr.Jona&son sagt:

    Ja. bei mir gibt es auch nur “möglichst viel verschiedene Sorten”…und mein Garten sieht dann natürlich auch nicht gerade nach Zen aus…
    Mit dieser in den Zeitschriften präsentierten Reduziertheit kann ich nichts anfangen, ich denke, entweder ist man so kühl planend oder man liebt die Vielfalt und dann sieht es eher nach Patchwork aus!
    Funkien sind ja sehr schön in bunten Gruppen, wenn sie einem die Schnecken nicht wegfressen.
    Storchschnäbel habe ich auch massig gehabt, doch da ich wieder Platz für andere Stauden brauchte, mußten sie sich wieder verabschieden, obwohl schöne und pflegeleichte Bodendecker.
    Liebe Grüße, Fr. JOna&son

  3. Zentralgaertnerin sagt:

    Komischerweise haben die Schnecken meine Funkien bislang nicht entdeckt. Statt dessen futtern sie Pflanzen, die sie laut Biogarten-Ratgeber gar nicht mögen: Kornblumen, Akelei. Na ja, und über das traurige Schicksal meiner Salat- und Radieschenexperimente reden wir besser gar nicht.

  4. Kirsten sagt:

    Mich begeistert, wie gut du diese Widersprüchlichkeit aushälst, Z. Auf der einen Seite verweigerst du die Hose mit nur einem Quäntchen Variation, auf der anderen Seite bist du maßlos im Garten. Ich dagegen träume von einem Schwimmteich, der die ganze Gartenfläche einnimmt und mich vieler Entscheidungen enthebt. Außerdem würde ich damit - toi toi toi - den Maulwurf vertreiben, ein Thema, was mich viel mehr umtreibt als die paar tumben Schnecken, die so leicht zu erwischen sind.

  5. maxima sagt:

    @Kirsten Maulwürfe können gut schwimmen, vielleicht (mit der richtigen Sonnenbrille für den Wurf) setzt ihr euch einfach zusammen an den Pool …

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