Grow your own
So heißt der Mega-Trend in Großbritannien, wo mittlerweile deutlich mehr Gemüsesamen verkauft werden als Blumensaaten. Auch in den USA sollen, nicht zuletzt im Zuge der Wirtschaftskrise, im letzten Sommer manche Saatguthersteller bei Karotten & Co. vorzeitig ausverkauft gewesen sein.
Wie Ihr Euch denken könnt, musste natürlich auch ich mit essbarem Grünzeug experimentieren. Von der wild wuchernden Topinambur habe ich ja schon berichtet; mittlerweile habe ich eine Pflanze abgeerntet (bei dem Dauerfrost gab es nicht viel Gelegenheit) und stolze 950 Gramm zu einer fantastischen Cremesuppe verarbeitet. Sehr zu empfehlen, Anbau wie Kochrezept sind absolut idiotensicher. Aufwändig ist nur das Schälen der knubbeligen Knollen.
Aber zurück zur Idee des „grow your own“. Sonntag war ich nämlich auf der Berlinale, zur Premiere des US-Films „Food Inc.“, einem Schocker über die Sauereien der Agrarindustrie. Als Europäer konnte man sich mal wieder so richtig kulturell überlegen fühlen, denn derart übel wie im Fast-Food-Wunderland geht es bei uns dann doch nicht zu. Trotzdem haben natürlich auch wir keinen Grund, uns entspannt zurückzulehnen, wie der aus meiner Sicht sehr viel bessere Film „We feed the world“ von Erwin Wagenhofer eindringlich illustriert.
Im Abspann von „Food Inc.“ flackerten dann Vorschläge über die Leinwand, wie man dem Teufelszeug der Agro-Konzerne entkommen kann. Einer davon lautete: Bepflanze einen Garten, selbst wenn er klein ist.
Nun, klein ist mein Garten bestimmt, und Gemüse gepflanzt habe ich auch. Es gab Erfolge (Tomaten! Noch mehr Tomaten! Dazu Mangold, Grünkohl und einen einzigen, aber köstlichen Kürbis), und Frustrationen (Erbsen, Salat und ausgerechnet Radieschen, die ich doch schon als Fünfjährige kultiviert habe).
Aber habe ich mich damit aus den Fängen der Agrarindustrie befreit? Wohl kaum, denn unser Selbstversorgungsgrad bewegte sich im Promille-Bereich. Immerhin habe ich zwischen Mitte Juli und Mitte September keine einzige Tomate gekauft. Insgesamt ist die politische Wirkung des „grow your own“ jedoch wohl eher als symbolisch zu bewerten. Großen Spaß hat es trotzdem gemacht, und man fühlt sich so ungeheuer bodenständig, wenn man schnell mal ein paar Tomaten für das Abendessen aus dem Garten holt.
24. Februar 2009 um 18:42
Ich schäle die Topinamburknollen gar nicht. Nur gut abbürsten, das genügt. Natürlich sieht die Suppe ohne Schalenteile schöner aus….., aber bei Salaten oder kurzgebraten macht es ja nichts.