Gemüse-Ambitionen

Das heiße, trockene Wetter im letzten Sommer hat uns nicht nur eine Tomatenschwemme beschert, sondern mir auch ganz offensichtlich den Sinn getrübt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich in dem Karteikasten im Keller, wo ich meine Saatgut-Tütchen aufbewahre, nicht nur eine Packung Paprikasamen befinden, sondern auch solche einer Auberginensorte mit dem reizenden Namen “Baby Rosanna”? Ja, ernsthaft, Auberginen. Nein, natürlich habe ich kein Gewächshaus, wo denn auch?

Nun gut, die Samen gab es beim Herbstausverkauf einer Saatgutfirma zum halben Preis, versandkostenfrei. Aber was sind schon die paar gesparten Euro in Relation zu all den Mühen und Frustrationen, die mir diese unschuldigen Körnchen aller Voraussicht nach bereiten werden? Eigentlich müsste ich sie schon bald aussäen, was mir angesichts des dauergrauen Wetters aber als aussichtsloser Heroismus erscheint. Ich erinnere mich gut an die spillerigen Sämlinge von Tomaten, Kosmeen & Co. im letzten Frühjahr, als sich die Sonne kaum sehen ließ.

Immerhin werde ich die Jungpflanzen dieses Jahr nicht wieder in meinem nach Norden ausgerichteten Büro anziehen. Da die Kinderzimmer sich als Pflanzenkinderstube verbieten, bleibt auf der Sonnenseite nur das Wohnzimmer, wo ich mangels Fensterbank extra einen Tisch aufstellen muss. Bitte nicht weitersagen - mein Gatte ahnt noch nichts davon. 

Und natürlich werde ich es mit den Auberginen doch probieren, wie auch mit den Paprikas, Chilis, Tomaten und was sonst noch so alles aus dem Karteikasten herausquillt. Wo ich das ganze Zeug hinpflanze, kann ich mir später immer noch überlegen. Und es reicht ja eigentlich, wenn die Auberginen so groß werden wie diese Thai-Dingerchen aus dem Asialaden. Dann lasse ich sie in einem Curry verschwinden und behaupte, sie seien so gemeint gewesen. Dabeisein ist schließlich alles, auch im Garten.

Eine Antwort zu “Gemüse-Ambitionen”

  1. Kirsten sagt:

    Liebe Zentralgärtnerin, gottseidank haben die Viren dich aus ihrem festen Griff entlassen und du entwickelst wieder gärtnerische Ambitionen. Mit den Paprika hatte ich recht viel Glück und auch den Chilis, die meine Kinder dann prompt verwechselt haben, was ein tränenreiches Drama war. Aber vermutlich sind die botanischen Kenntnisse deiner Töchter schon jetzt fortgeschrittener als die meiner Kinder. Leo hat hat allerdings kürzlich Borretsch im Topf gezogen, um einer Liebe zu imponieren.
    Ich habe übrigens nachgedacht, wie du an einen größeren Garten kommst. Enteignungen sind doch jetzt angesagt. Wie wäre es mit Nachbars Garten? Oder zumindest eine klitzekleine Beteiligung?

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