Wo Gefahr ist…

… wächst das Rettende auch. Ich weiß nicht, ob Hölderlin gegärtnert hat (wahrscheinlich nicht), aber Recht hat er. Anders gesagt: Wo Schnecken sind (mit denen man in einem Garten mitten in der Stadt ja niemals in diesen Mengen gerechnet hätte), stellen sich auch Fressfeinde ein (worauf man nicht einmal zu hoffen wagte). Leider keine Igel, die wohl kaum je ihren Weg in den ringsum ummauerten Innenhof finden dürften. Aber ein Amselpärchen.

An dieser Stelle muss ich Abbitte leisten für mein Dauergenörgel an den friedhofsgrünen Eibenhecken meiner Nachbarn, denn sie sind ideale Vogelnistplätze. Und so haben die Amseln nur 1,5 Meter von unserem Sitzplatz entfernt ein Nest gebaut. Schon seit ein paar Tagen sah ich sie immer wieder an derselben Stelle verschwinden. Trotzdem war ich überrascht, als ich heute morgen nachsah und nicht nur ein perfekt halbkugelförmiges Nest vorfand, sondern auch ein nacktes, rosaviolettes Vogelküken darin.

Ich neige ja sonst nicht zur Sentimentalität, aber so ein hilfloses Küken ist schon ein rührender Anblick. Und ich hoffe, die Eltern füttern es fleißig mit den fiesen kleinen Ackerschnecken, von denen sich noch im Herbst Legionen im Garten getummelt haben. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass die Amseln der Grund dafür sind, warum ich bislang praktisch keine dieser Minibestien entdeckt habe. Auch wenn ich heute einen abgefressenen Trieb an meiner Taglilie verbuchen musste.

Aber nun steht ja auch mein Schneckenzaun. Ich gebe zu, er ist hässlich; mein Gatte findet ihn sehr hässlich. Trotzdem habe ich frohgemut Salat, Erbsen und Radieschen gesät und bin optimistisch, dass kein Desaster auf mich wartet, wenn ich in einer Woche aus den Osterferien zurückkomme. Frohe Ostern allerseits!

2 Antworten zu “Wo Gefahr ist…”

  1. Fr.Jona&son sagt:

    Die Eiben sind gar nicht so unökologisch , im Vergleich zu Thujen ja schon eine Augenweide!
    Die Beeren kann man übrigens essen, die kerne aber NICHT!

  2. Zentralgaertnerin sagt:

    Hast Du sie mal probiert? Ich finde ja, das hat etwas von dem japanischen Kugelfisch Fugu: Nicht penibel genug geputzt, und schon ist man vergiftet…

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