Nachruf auf eine Malve

Gestern habe ich ihre Reste ausgegraben. Noch im Tode war ihr Wurzelwerk so üppig, dass ich meine Grabegabel verbogen habe. Die Rede ist von der unvergleichlichen Malven-Hybride Alcea “Parkallee”, die zwei Jahre lang meinen Vorgarten geziert, ja, man muss sagen: dominiert hat. Was für ein prachtvolles Gewächs!

Sie kam ungefragt, als Beigabe in einer Lieferung meiner bevorzugten Bio-Staudengärtnerei. Damals war der Garten noch ziemlich nackt, und ich setzte das winzige Pflänzchen nichtsahnend neben die Kellertreppe. Und staunte, als aus den beiden kaum fingerlangen Trieben im nächsten Frühjahr eine Pflanze von strauchartigen Dimensionen erwuchs, von Juli bis in den Dezember hinein mit blassgelben, leicht gefüllten Schalenblüten besetzt.

Bienen und Hummeln liebten die Malve, mein Gatte weniger. Spätestens ab September drohte er mit der Machete, da er sein Fahrrad nur noch mit Schwierigkeiten in den Keller bugsieren konnte. Ich band die nun mannshohen Triebe zwar immer wieder fest, aber gegen die Vitalität der Malve war mit Bambusstäben nicht anzukommen. Sie war eben raumgreifend, und schließlich ließ ich sie gewähren.

Der Zeitschrift “Gartenpraxis” entnahm ich, dass die Sorte “Parkallee” während des Kalten Kriegs von einem Züchtungsforscher in Budapest entwickelt und in der DDR registriert wurde. Damit ist “Parkallee” die wohl schönste Blüte des Sozialismus, von ostiger Tristesse keine Spur! Statt dessen eine atemberaubende Üppigkeit, die sich wegen der dezenten Blütenfarbe trotzdem gut ins Staudenbeet integrieren ließ.

Nun hatte sich das Prachtgewächs nach zwei rauschhaften Sommern offenbar verausgabt. Malven gelten ja als eher kurzlebig. Ich werde sie sehr vermissen, habe sie aber gleichwohl nicht ersetzt. Sie stand an der Treppe wirklich ein bisschen ungünstig. Und sonst habe ich nirgendwo in meinem kleinen Garten Platz für ein solches Staudenriesin. 

Aber jedes Ende ist ein Anfang: Samstag bin ich zu einer Potsdamer Staudengärtnerei geradelt und habe für die kahle Stelle drei Bartiris, zwei Federborstengräser und eine Walzenwolfsmilch erstanden. Die werden im heißen, sonnigen Vorgarten hoffentlich ohne Gießen durchhalten. Und wieder habe ich ein halbes Dutzend neuer Pflanzen untergebracht. Auch nicht übel.

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