Lob der Tulpe
Früher mochte ich Tulpen nicht sonderlich. Zu grell, zu künstlich kamen sie mir vor. Doch seit ich meinen eigenen Garten hege, habe ich meine Meinung gründlich geändert. Zunächst ist es ja kaum möglich, nach
den öden, grün-braunen Wintermonaten im Frühling leuchtende Farben in den Garten zu holen, ohne auf Tulpen zurückzugreifen.
Zum anderen scheinen Tulpen meinen Garten zu lieben. Im Gegensatz zu den Osterglocken, die die Tendenz haben, von Jahr zu Jahr weniger zu werden (die Trockenheit? die Narzissenfliege? Weiß der Teufel), halten sich die Tulpen exzellent. Einige Sorten, etwa die weiße “Purissima” vermehren sich sogar. Tulpen schätzen es schließlich, wenn der Boden im Sommer knochentrocken ist, was gerade in meinem Vorgarten leider häufig vorkommt.
ist es also reiner Pragmatismus, dass ich Tulpen immer schöner finde? Die Psychologie kennt ja den “Mere Exposure Effect”: Was wir oft sehen, finden wir mit der Zeit auch schön, vertraute Gesichter etwa. Jedenfalls entdecke ich sogar an stark züchterisch veränderten Hybriden meine Freude. So blüht gerade bei mir im Staudenbeet die gefüllte babyrosa “Angelique”, während die knallgelbe Lilientulpe “West Point” im Vorgarten gerade verblichen ist. Die spitz zulaufenden Blüten sahen zugegebenermaßen aus wie Kunstobjekte, aber toll!
Vermutlich hat die jährliche, spektakuläre Tulpenschau im Britzer Garten solche Vorlieben befördert. Dutzende Tulpensorten sind da zu bewundern, eine leuchtender als die andere. Sie wachsen teils in Beeten für sich, teils aber auch im Gras. Und da zeigt sich, dass selbst hochgezüchtete Hybriden ganz natürlich und unglaublich charmant wirken, wenn sie sich mit Gras und ordinärem Löwenzahn verbrüdern.
Meine allerliebste Lieblingstulpe ist dann auch so etwas wie die Synthese aus dezenter Schlichtheit und bizarrer Gestalt: die Viridifliora-Tulpe “Spring Green”. Ihre cremeweißen, grün überlaufenen Blütenblätter könnten geschmackvoller nicht sein, zugleich besitzt sie die für Viridiflora-Tulpen typische, leicht eckig-verdrehte Form, die ihr einen exotischen Touch verleiht. Es gibt sie auch in gelb, doch die weiße Form ist definitiv die Schönste!
22. April 2010 um 15:41
[...] vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger [...]