Archiv für Mai 2009

Der Rosenkavalier

Freitag, 29. Mai 2009

Letzten Sonntag haben wir auf der Rückfahrt von einem Thüringen-Ausflug das Rosarium in Sangerhausen besucht. Sangerhausen liegt irgendwo zwischen Harz und Halle, umgeben von merkwürdig dreieckigen Abraumhalden, die aussehen wie Land Art, aber vermutlich üble Umweltsünden sind. Nein, ich glaube, man muss Sangerhausen nicht kennen, es sei denn, man ist ein Rosenfreak. Angeblich beherbergt das Rosarium nämlich die größte Rosensammlung Deutschlands, Europas, wenn nicht der Welt - kommt darauf an, welcher Quelle man folgt. Jedenfalls sollten es 8300 Sorten sein.

Pflanzen, Tiere, Sensationen

Montag, 18. Mai 2009

Das Schöne an einem winzigen Innenstadtgarten ist ja, dass die Erwartungen niedrig sind. So freut man sich umso mehr über jeden Erfolg, und jede Überraschung erscheint als Sensation, auch wenn sie manch anderem Gärtner nur ein müdes Lächeln entlocken würde.

Zwei solcher Highlights brachte das Wochenende mit sich: Zum einen blühte mein Türkenmohn auf. Nein, es handelt sich nicht um so einen vulgär scharlachroten mit der Leuchtkraft einer China-Laterne (obgleich auch die am rechten Platz gut aussehen können). Bei mir wächst vielmehr die ebenso dezente wie ausgefallene Sorte “Patty’s Plum”, die in einem unbeschreiblichen Pflaumenton erblüht, düster und ein wenig ins Bräunliche changierend. Dazu wirken ihre Blüten, als seien sie aus Taft geschneidert, innen geschmückt mir schwarzen Flecken, fransenartigen Staubgefäßen  und in der Mitte einem dunklen, samtigen Knopf. Eine ausgesprochen morbide Kombination, angemessen für das Ballkleid einer Vampirprinzessin.

Frustkäufe

Dienstag, 12. Mai 2009

Normalerweise bin ich ja kein sonderlich engagierter Förderer der deutschen Konjunktur. Für Shopping-Touren habe ich keine Zeit, zumal ich nichts so sehr hasse wie das ständige An- und Ausziehen in der Umkleidekabine. Auch um mich für die Multifunktionalität elektronischer Spielzeuge zu begeistern, bin ich viel zu ungeduldig. Mein Schwachpunkt sind, Ihr wisst es, nur die Pflanzen.

So war ich Freitag früh aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, ziemlich deprimiert. Und ausgerechnet da flackerte auf meinem Bildschirm die Werbe-Mail einer Berliner Blumenzwiebelfirma auf: Man habe, so wurde ich informiert, sämtliche verbliebenen Lilien des Sortiments um 50 Prozent reduziert. Nachdem ich im Vorjahr erstaunlich gute Erfahrungen mit zwei total überlagerten Lilienzwiebeln aus dem Baumarkt für 99 Cent gemacht hatte (das Resultat ist im Kopf dieses Blogs zu bewundern), gab es da kein Halten. Leider war der Mindestbestellwert mitnichten reduziert, so dass man nicht sagen kann, dass ich Geld gespart hätte. Im Gegenteil.

Jammern bei jedem Wetter

Montag, 11. Mai 2009

Seit ich gärtnere, verstehe ich die deutschen Bauern besser, die ja offenbar immer etwas zu Jammern haben. Ich meine weniger den Zorn über den zu niedrigen Milchpreis, sondern das Wehklagen über das Wetter. Zu heiß, zu trocken, zu nass, zu kalt… irgendetwas stimmt immer nicht. Und ich sage Euch: Genauso ist es!

Zwar bin ich ungemein erleichtert, dass wir nach dem trockenen April endlich ein paar kühle Regentage hatten, denn das sommerliche Wetter setzte meinen Staudenbeeten merklich zu. Die Osterglocken etwa welkten schon dahin, kaum dass sie aufgeblüht waren. Eine neu gepflanzte, aus England mitgebrachte, weil angeblich duftende (!) Echinacea konnte ich im letzten Moment vor dem Dursttod retten. Die wunderbaren blauen Präriekerzen (Camassia) hielten keine drei Tage.

Wo die Körner fallen

Mittwoch, 06. Mai 2009

Allmählich sind die Tulpen verwelkt und haben die Starrolle an die Akeleien übergeben. Von denen habe ich im letzten Herbst raue Mengen im ganzen Garten verteilt, alles Sämlinge von drei weißen Aquilegia-Hybriden namens “Kristall”, die zu den ersten Bewohnern meines Gartens gehörten, an ihrem zu trockenen Standort an der Betonmauer aber nie so recht gediehen. Ihre Nachkommenschaft wächst nun an feuchteren Stellen auf das Üppigste.

Bei solchen Vermehrungs-experimenten erlebt man mitunter Mendel’sche Überraschungen: Alle Sämlinge von “Kristall”, die bis jetzt geblüht haben, strahlen wie die Eltern reinweiß und besitzen lange, nadelspitze Sporne, die ihnen ein höchst elegantes Aussehen verleihen.