Jammern bei jedem Wetter

Seit ich gärtnere, verstehe ich die deutschen Bauern besser, die ja offenbar immer etwas zu Jammern haben. Ich meine weniger den Zorn über den zu niedrigen Milchpreis, sondern das Wehklagen über das Wetter. Zu heiß, zu trocken, zu nass, zu kalt… irgendetwas stimmt immer nicht. Und ich sage Euch: Genauso ist es!

Zwar bin ich ungemein erleichtert, dass wir nach dem trockenen April endlich ein paar kühle Regentage hatten, denn das sommerliche Wetter setzte meinen Staudenbeeten merklich zu. Die Osterglocken etwa welkten schon dahin, kaum dass sie aufgeblüht waren. Eine neu gepflanzte, aus England mitgebrachte, weil angeblich duftende (!) Echinacea konnte ich im letzten Moment vor dem Dursttod retten. Die wunderbaren blauen Präriekerzen (Camassia) hielten keine drei Tage.

Und jetzt? Der Boden ist gut durchfeuchtet, die Regenwürmer tummeln sich, aber nun hat der Regen die letzten Tulpenblüten entblättert. Und erst der Wind, dieser übelste aller Zerstörer! Wenn Ihr glaubt, in einem Innenhof müsse ein geschütztes Mikroklima herrschen, habt Ihr Euch geschnitten. Im Gegenteil. Hier bläst ein Wind, rau und böig wie bei einem Gewittersturm.

Jedes Gartenbuch zeigt ja diese Skizze, die verdeutlicht, wie sich hinter Mauern Wirbel bilden, während eine Hecke den Wind filtert und abschwächt. Und das gilt auch, wenn die Mauern 20 Meter hoch sind – hinter unserem Haus fegen Fallwinde herab wie in engsten Alpentälern. Sie reißen die Kletterpflanzen von den Wänden, die ohnehin Mühe haben, sich am Beton festzukrallen, knicken meine Akeleien und haben sogar einen Zierlauch “Purple Sensation” geköpft, was ich ihnen besonders übel nehme. Aber anders als der Bauer seinen Raps kann ich die lila Blütenkugel wenigstens in die Vase stellen, wo sie zugegebenermaßen ganz hübsch aussieht.

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