Frustkäufe

Normalerweise bin ich ja kein sonderlich engagierter Förderer der deutschen Konjunktur. Für Shopping-Touren habe ich keine Zeit, zumal ich nichts so sehr hasse wie das ständige An- und Ausziehen in der Umkleidekabine. Auch um mich für die Multifunktionalität elektronischer Spielzeuge zu begeistern, bin ich viel zu ungeduldig. Mein Schwachpunkt sind, Ihr wisst es, nur die Pflanzen.

So war ich Freitag früh aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, ziemlich deprimiert. Und ausgerechnet da flackerte auf meinem Bildschirm die Werbe-Mail einer Berliner Blumenzwiebelfirma auf: Man habe, so wurde ich informiert, sämtliche verbliebenen Lilien des Sortiments um 50 Prozent reduziert. Nachdem ich im Vorjahr erstaunlich gute Erfahrungen mit zwei total überlagerten Lilienzwiebeln aus dem Baumarkt für 99 Cent gemacht hatte (das Resultat ist im Kopf dieses Blogs zu bewundern), gab es da kein Halten. Leider war der Mindestbestellwert mitnichten reduziert, so dass man nicht sagen kann, dass ich Geld gespart hätte. Im Gegenteil.

Schon am nächsten Tag traf mein Paket mit neun Lilienzwiebeln in fünf Sorten ein, am Sonntag wurde gepflanzt. Zu meiner Erleichterung war es gar nicht schwer, die Neuzugänge unterzubringen: Blumenzwiebeln sind, das ist mir nun klar, das ideale Objekt für Frustkäufe – man findet immer ein Plätzchen, um sie dazwischenzuquetschen. Gerade Lilien mögen ja die Füße im Schatten und den Kopf in der Sonne; Ansprüche also, die sich im Vordergrund eines Staudenbeets leicht erfüllen lassen.

Weniger angetan war ich vom zweiten Frustkauf des Tages, diesmal am Kiosk: Wie bereits in der Vergangenheit bereute ich den Erwerb der Gartenzeitschrift “Garten Eden” fast sofort. Eigentlich handelt es sich bei diesem Magazin um die aufwändig gemachte, geschickt getarnte Eigenwerbung der Landschaftsgärtnervereinigung “Gärtner von Eden“. Das allein wäre nicht so schlimm, würde das zugegebenermaßen sehr schön illustrierte Imageheft nicht mit so kurzen, oberflächlichen Texten nerven. Die findet man zwar auch in vielen anderen deutschen Gartenzeitschriften, doch gleichen diese das wenigstens durch eine Fülle praktischer Tipps aus. Und um sich eine Viertelstunde lang schöne Fotos anzuschauen, sind 5,50 Euro einfach zu viel. Da gönne ich mir nächstes Mal lieber zwei Lilien mehr.

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