Pflanzen, Tiere, Sensationen

Das Schöne an einem winzigen Innenstadtgarten ist ja, dass die Erwartungen niedrig sind. So freut man sich umso mehr über jeden Erfolg, und jede Überraschung erscheint als Sensation, auch wenn sie manch anderem Gärtner nur ein müdes Lächeln entlocken würde.

Zwei solcher Highlights brachte das Wochenende mit sich: Zum einen blühte mein Türkenmohn auf. Nein, es handelt sich nicht um so einen vulgär scharlachroten mit der Leuchtkraft einer China-Laterne (obgleich auch die am rechten Platz gut aussehen können). Bei mir wächst vielmehr die ebenso dezente wie ausgefallene Sorte “Patty’s Plum”, die in einem unbeschreiblichen Pflaumenton erblüht, düster und ein wenig ins Bräunliche changierend. Dazu wirken ihre Blüten, als seien sie aus Taft geschneidert, innen geschmückt mir schwarzen Flecken, fransenartigen Staubgefäßen  und in der Mitte einem dunklen, samtigen Knopf. Eine ausgesprochen morbide Kombination, angemessen für das Ballkleid einer Vampirprinzessin.

Damit passt der Mohn ausgezeichnet zur zweiten Entdeckung des Wochenendes: Fledermäuse! Als ich meiner Freundin Kirsten davon berichtet, konterte sie zwar cool: “Haben wir auch.” Aber sie wohnt auch am Ende der Welt oder zumindest von Hamburg, nicht mitten iim Zentrum wie wir. Natürlich weiß ich, dass Städte artenreichere Biotope sind als viele Agrarlandschaften, habe das aber stets auf Parks und Vorstadtviertel, Industriebrachen, aufgelassene Güterbahnhöfe und ähnliches bezogen. 

Dass durch unseren hoch umbauten Innenhof, einen Steinwurf von den Plattenbauten an der viel befahrenen Leipziger Straße entfernt, Fledermäuse schwirren, finde ich deshalb schlicht und einfach sensationell. Jetzt fehlt nur noch, dass die viel geschmähten Berliner Wildschweine in meinen Garten einfallen!

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