Der Rosenkavalier
Letzten Sonntag haben wir auf der Rückfahrt von einem Thüringen-Ausflug das Rosarium in Sangerhausen besucht. Sangerhausen liegt irgendwo zwischen Harz und Halle, umgeben von merkwürdig dreieckigen
Abraumhalden, die aussehen wie Land Art, aber vermutlich üble Umweltsünden sind. Nein, ich glaube, man muss Sangerhausen nicht kennen, es sei denn, man ist ein Rosenfreak. Angeblich beherbergt das Rosarium nämlich die größte Rosensammlung Deutschlands, Europas, wenn nicht der Welt - kommt darauf an, welcher Quelle man folgt. Jedenfalls sollten es 8300 Sorten sein.
Das Problem war, dass derzeit ungefähr 8000 davon noch nicht in Blüte stehen. Und war es für meinen ansonsten ja sehr lieben Gatten schon Anlass zu Nörgelei, überhaupt diesen Umweg anzutreten, so kam er nun aus dem Spotten nicht mehr heraus. Schon die Idee, ein Rosarium anzulegen, fand er verschroben; dieses aber zu besuchen, wenn die meisten Pflanzen noch gar nicht blühen, erschien ihm offenkundig als Gipfel der Spleenigkeit. Pausenlos knipste er mit seinem Handy unvorteilhafte Fotos von mir in situ, “für deinen Blog”. Nein, ich zeige sie hier nicht, sondern lieber ein paar früh blühende Rosa foetida-Sorten.
Aber das vermeintlich schlechte Timing erwies sich dann doch als Vorzug, denn was blühte, waren vor allem Wildrosen und Kreuzungen, die ihnen genetisch noch sehr nahe sind. Und da steht man dann staunend vor Rosen wie im Märchenbuch, Rosen, die wirklich zu Bäumen herangewachsen sind, und vermisst die Blüten der Zwergpinscher im Beet nebenan kein bisschen. Einige asiatische Wildrosenstöcke erreichten locker sieben Meter Höhe, schätze ich mal.
Besonders aufgefallen ist mir die Rosa pendulina-Hybride “Mount Everest”. Zwar trägt sie recht schlichte rosa-weiße Blütenschalen, doch in unglaublicher Fülle. Die Blüten entfalten sich aus auffallend eleganten, länglichen Knospen und sitzen auf graziös gebogenen Zweigen mit mahagonifarbener Rinde - welch ein Unterschied zu den oft so steifen modernen Rosen! Die Büsche waren sicherlich vier, fünf Meter hoch – definitiv zu viel für meinen Garten. Aber vielleicht habe ich ja noch einmal die Gelegenheit, einen anderen, riesengroßen Garten anzulegen, irgendwo auf dem Land und gar nicht zentral…
26. April 2010 um 22:02
Ach da freue ich mich, dass du wenigstens noch einszwei schöne Eindrücke aus Sangerhausen mitnehmen konntest. Ich habe meine Kindheit und Jugend in der Berg- und Rosenstadt verbracht (Berg, weil Bergbau, daher auch die “merkwürdigen” dreieckigen Berge, also Abraumhalden, und Rosen, naja, wegen des Rosariums natürlich). Mich hat als Kind ja dieser Mammutbaum am meisten beeindruckt, der da mittem im Rosarium steht. Wahrscheinlich erinnere ich mich nicht richtig, aber ich glaube, da stand, dass der 1000 Jahre als werden kann. Das fand ich irre.
In diesem Sinne: herzliche Grüße von einer Sangerhäuserin an eine Blumenfreundin
Martina