Der Stolz der Gärtnerin
Samstag habe ich mich mit meiner frisch erworbenen Heckenschere – eine kleine, leichte, handbetriebene – erstmals daran gemacht, die Eibenhecke zu stutzen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man im Staudenbeet
immer nur ein paar Quadratzentimeter Manövrierfläche hat (und obendrein im 7. Monat schwanger ist). Ich hatte das Ereignis deshalb eine Weile vor mir hergeschoben, doch nun verschwanden die ersten Stauden im frischen Grün der unbändig wachsenden Eiben. Aber ich muss sagen, ich kann über Ergebnis nicht meckern. Bilanz: Zwei Stunden, 13 Meter Hecke, zwei zertretene Cosmeen. Geht doch!
Überhaupt bin ich derzeit mit mir und meinem Garten sehr zufrieden. Manchmal, muss ich zugeben, packt mich richtiggehend der Stolz: Kann das wirklich mein Garten sein? Sieht nicht die eine oder andere Pflanzenkombination aus wie die Hochglanzfotos in meinen britischen Gartenmagazinen? Wahnsinn!
Na ja, jedenfalls wenn man die richtige Entfernung einhält. Weit genug, um nicht zu erkennen, dass die magentafarbenen Blütenbälle der Gallica-Rose “Charles de Mills” von Mehltau gesäumt sind und die bezaubernden weißen Blütenstengel der Waldglockenblume schwarze Trauerränder tragen – Blattlauskolonien. Denen bin ich mit Neem-Extrakt zu Leibe gerückt, wie auch den Massen grüner und weißer Läusen, die meine Christrosen besetzt halten.
Neem ist eines der wenigen Pflanzenschutzmittel, das ich guten Gewissens verwende. Schließlich ist der Extrakt des indischen Wunderbaums sogar im Biolandbau zugelassen. Die Läuse auf meinem Falschen Jasmin habe ich damit vor ein paar Wochen gut unter Kontrolle gebracht. Aber was ist diesmal passiert? Kaum drei Stunden nach meiner mühseligen Spritzaktion gab es einen Gewitterguss biblischen Ausmaßes. Jetzt darf ich das Ganze wiederholen - damit nicht zu viel gärtnerische Selbstzufriedenheit aufkommt…