Offene Gärten

Am Wochenende war “Tag der offenen Gärten” in Berlin und Brandenburg; leider stand das Ereignis zumindest für mich unter einem schlechten Stern. Irene, meine jüngere Tochter, hatte Fieber, und das Wetter ließ sehr zu wünschen übrig. Als ich mich Sonntag früh dann doch zur Gartenbesichtigung aufmachte, regnete es in Strömen. Also wurde nichts aus der geplanten Radtour ins Berliner Umland. Stattdessen begnügte ich mich damit, vier Gärten im inneren Stadtbereich per U-Bahn und Bus zu besuchen, den Regenschirm im Anschlag.

Was ich lernte, war einmal mehr, dass sich in Innenstadtgärten mehr Tiere tummeln als ich mir früher hätte träumen lassen. Bei Frau Straßburg in Kreuzberg brütet der Zaunkönig, und bei Frau Breyer in Mitte trieb sich in den vergangenen Jahren nicht nur ein Igel herum (auf den ich, wie ich kürzlich noch geschrieben habe, niemals gehofft hätte), sondern sie hat neulich sogar ein Wiesel auf der Mauer entdeckt.  Und Fledermäuse, mein ganzer Stolz, scheinen eigentlich überall in der Stadt unterwegs zu sein. Unglaublich.

Weiter habe ich mich überzeugt, dass es doch noch ein paar mehr Leute wie mich gibt, die versuchen, aus winzigen Gartenflächen in der Stadt etwas zu machen. Was, darüber lässt sich allerdings geteilter Meinung sein. Drei der vier Gärten waren in sehr romantischem Stil gehalten, was an sich nichts Verwerfliches ist. Aber: Muss man seinen Garten denn mit so genannten “dekorativen Objekten” spicken?  Ein Rosenbogen, okay. Aber gleich den gemauerten Pseudo-Brunnen daneben stellen? 

Ja, ja, über Geschmack soll man nicht streiten. Über Bronze-Flamingos, Keramik-Igel und (echte) Koi-Karpfen im Teich aber vielleicht doch. Ein Appell von der Geschmacksdiktatorin: Stehlt Euren Pflanzen nicht mit Deko-Kitsch die Schau! Mit einem blühenden Fingerhut kann eh keine Gartenskulptur mithalten. 

Und wenn schon Gartenobjekte, dann wirklich originelle (aber sparsam verwendete!) Installationen. Das Highlight des Tages fand ich übrigens in einem Kreuzberger Gemüsegarten zwischen Mariannenplatz und Ostbahnhof. Der Besitzer, ein Szene-Original und Bewohner einer selbstgebauten Bretterbude, hatte sich zwar nicht am Tag der Offenen Gärten beteiligt, aber seine Parzelle steht ohnehin allen Blicken offen. Dort wächst ein märchenhaft schwer beladener Kirschbaum, bewacht von einer als Verdi-Streikposten verkleideten Vogelscheuche. Sehr passend, steht doch das Hauptquartier der Gewerkschafter gleich schräg gegenüber. Da hat sich Frank Bsirske glatt um die Berliner Gartenkultur verdient gemacht.

Eine Antwort zu “Offene Gärten”

  1. Kirsten sagt:

    Ich habe heute morgen mein neues lila Öko-Leibchen mit einem Gürtel aufgepeppt - sehr dekorativ. Und ja, ich stehe auf große Steine im Vorgarten (gilt das schon als Installation?) und Baustahl, den mein Göttergotte in lebensgroße Figuren verwandelt. Toxic Tony, den ich eigentlich der Textilindustrie als Anti-Award überreichen wollte, steht jetzt neben dem Rosenbusch. Werde ich lieber flachlegen, wenn du meine “offene Dachterrasse” demnächst besuchst.

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