Auf Schnäppchenjagd

Was Pflanzen angeht, bin ich ja nicht nur ein Fashion Victim. Sondern, viel schlimmer: Ich kann an keinem Schnäppchen vorbeigehen. Natürlich weiß ich, dass die Billigware oft kränkelt und nicht gut anwächst. Von der Ökobilanz ganz zu schweigen: Wahrscheinlich sind die Pflanzen aus dem Baumarkt oder vom Discounter mit hohem Energie- und Chemieaufwand im beheizten Treibhaus herangezogen worden, womöglich unter Einsatz ausgebeuteter Arbeitskräfte in Niedriglohnländern. Und die Setzlinge wurzeln bestimmt in Substrat, das einmal ein baltisches Hochmoor war. Ja, ja.

Aber da ist diese Befriedigung, so ein blässliches Pflänzchen, für weniger als einen Euro erworben, reanimiert und zu üppigem Wuchs überredet zu haben. Denn die Vorliebe für grüne Schnäppchen beruht ja nicht nur auf purer Lust am Beute machen, sondern trägt auch einen Anflug von Samaritertum in sich.

Und das Aufpäppeln klappt erstaunlich oft: Angefangen mit der überlagerten 99-Cent-Lilienzwiebel, deren Blüte diesen Blog ziert. Weiter mit den 25 namenlosen Osterglockenzwiebeln für - Überraschung! – 99 Cent, die mich im Frühjahr mit perfekten schwefelgelben Blüten erfreuten, genau wie ich sie mag, nämlich ohne aufdringlich orangefarbene Trompeten. Okay, ich hatte etwa ein Drittel aussortiert, weil die Zwiebeln mir weich vorkamen und ich mir keine Pilzkrankheiten oder Narzissenfliegen einhandeln wollte. Es war aber immer noch ein guter Deal.

Die meisten meiner Gartenschnäppchen stammen von jenem Discounter, den politisch Korrekte eigentlich gar nicht betreten, weil er unter anderem seine Angestellten ausspioniert. Leider ist eine Filiale dieses anrüchigen Unternehmens der einzige Supermarkt in unmittelbarer Nähe unserer Kita. Und er bietet immer irgendwelches Grünzeug an. Geradezu in einen Kaufrausch verfiel ich im März, als da ein ganzer Rollwagen voller Staudentöpfe auf mich wartete: für sage und schreibe 39 Cent das Stück! 

Wie kann man für diesen Preis eine lebensfähige Staude produzieren? Keine Ahnung. Ich kaufte gleich neun Pflanzen für einen Betrag, den ich bei meiner Öko-Staudengärtnerei für eine ausgegeben hätte. Und ich schwöre, sie sind alle, alle angegangen. Drei Nachtkerzen waren darunter (Oenothera tetragona), deren knallgelbe Schalen derzeit meinen Vorgarten zum Leuchten bringen. 

Jüngste Errungenschaft war eine halb verwelkte Topfrose für – ratet mal – 99 Cent. Sie kam in einem scheusslich gestreiften Keramikübertopf daher und war mit einem Filzherz dekoriert, das meiner Tochter Dora sehr gefiel. Das Sträuchlein, offenbar erst ausgetrocknet, dann ertränkt, verlor umgehend die Hälfte seiner Blätter. Nach zweiwöchiger Quarantäne sendete es dann erste Lebenszeichen – und blüht jetzt im Kübel auf der Dachterrasse. Wann immer ich diese Rose sehe, hebt sich meine Stimmung. Und das für 99 Cent – was will man mehr?

Eine Antwort zu “Auf Schnäppchenjagd”

  1. Zentralgarten» Blogarchiv » Die Wundertüte sagt:

    [...] doch die Pflänzchen starteten sofort durch und verwandelten den Kübel zusammen mit der 99-Cent-Rose in ein kunterbuntes Blütenknäuel. Dieses Arrangement läuft zwar meinem üblichen Gartengeschmack [...]

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