Point of no Return

Irgendwann ist er da, dieser Moment. Letztes Jahr dauerte es bis Mitte, Ende Juli, diesmal war es dank des vielen Regens schon Mitte Juni so weit: Jener Augenblick, wenn es nicht mehr zu leugnen ist, dass mir der Garten buchstäblich über den Kopf gewachsen ist und ich nicht mehr alle Gewächse unter Kontrolle halten kann. Jetzt ist loslassen angesagt.

Denn nun hat die Phase begonnen, da jeder Ausflug in den Hintergrund meiner Beete zu einer gefährlichen Dschungelexkursion wird – gefährlich weniger für mich, sondern für die zarteren unter den Pflanzen, die es ohne meine Unterstützung nun ohnehin schwer genug haben, ihr Überleben zu fristen. Manche werden von ihren Nachbarn, allen voran  den Storchenschnäbeln, dermaßen überwuchert, dass ich ihre Existenz glatt vergesse. Gab es da nicht einmal eine Gaura, selbst aus einem Steckling herangezogen? Längeres Suchen zwischen den Echinaceen fördert schließlich ein spilleriges Etwas zutage. Umpflanzen? Aber wohin??

Unglaublich ohnehin, wie viel üppiger die Stauden dieses Jahr wachsen als im letzten, trockenen Sommer. Die ersten Echinaceen, voriges Jahr kaum einen Meter hoch, sind bereits auf Augenhöhe, desgleichen die Indianernesseln (Monarda). Der Virginische Ehrenpreis (Veronicastrum) streift die zwei-Meter-Marke, die Karde ist – natürlich – schon darüber hinaus. Und die Sterndolden (Astrantia), letztes Jahr so knubbelig-unansehnliche Zwerge, dass ich sie schon herausreißen wollte, lassen ihre Nadelkissenblüten elegant auf schenkelhohen Stängeln schaukeln. Einziger Schönheitsfehler: Die aparten Gewächse stinken.

Wie es sich für eine rechte Grüne Hölle gehört, sind auch SIE wieder unter uns. Ich weiß nicht, was SIE so lange getrieben haben, ob die Amseln SIE dezimiert haben oder der lange, frostige Winter. Aber seit gut zwei Wochen kann ich die löchrigen Blätter und angefressenen Erdbeeren nicht mehr übersehen. Ihre Verursacher inzwischen auch nicht mehr. Auf zur Schneckenjagd!

Zum Glück können die Viecher den vor Vitalität strotzenden Pflanzen jetzt nicht mehr viel anhaben, und das Gemüse habe ich ja hinter dem Schneckenzaun verbarrikadiert. (Und ich dachte schon, ich hätte das hässliche Teil ganz umsonst aufgebaut…). Aber eine meiner hoffnungsvollen Frustkauf-Lilien haben sie erwischt und bis auf einen harten Stängelrest abgeraspelt. Keine “Pink Perfection” dieses Jahr.

Wen meine letztjährigen Erfahrungen mit den kleinen Killern interessieren, kann sie übrigens in der aktuellen Ausgabe von “Flora Garten” nachlesen.

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