Der kleine Horrorgarten

Kennt Ihr das Gefühl, aus dem Urlaub zurückzukommen und ein fremdartiges, bedrohliches Dickicht wiederzufinden? So ging es mir, als ich letzten Sonntag mit einem flauen Gefühl im Magen zur Bestandsaufnahme im Garten schritt. Alles in allem waren keine tragischen Ausfälle zu verzeichnen, obgleich unsere Gießbeauftragte stellenweise mit dem Wasser gegeizt hatte, so dass der Dschungel mehr gelb als grün ausfiel. 

Andere Gewächse hingegen hatten mehr Feuchtigkeit abbekommen und in den zwei Wochen auf beängstigende Weise zugelegt. Allen voran ein Butternut-Kürbis, herangezogen aus einem harmlosen Samen, den ich mal beim Kochen beiseitegelegt hatte. War er vor dem Urlaub noch ein bescheidenes Pflänzchen gewesen, so entwickelte er sich in meiner Abwesenheit zum Würger: Nicht nur rankte er das halbe Salatbeet zu, sondern ergriff mit seinen Rankorganen, die in Form und Festigkeit handelsüblichen Korkenziehern gleichen, junge Brokkolilpflanzen und erdrosselte sie nach allen Regeln der Kunst. Drei Tote. 

Aber natürlich ist das Drama meine Schuld. In meiner (Neu-)Gier habe ich viel zu viele Pflanzen ins Gemüsebeet gepackt, und jetzt habe ich den - ja: Salat. Während ich nämlich meinen Pflücksalat gerade noch erreiche, ist der hintere Teil des Beets No-Go-Area – kein Durchkommen möglich. Lektion: Im Gemüsegarten  kommt es nicht nur darauf an, dass die Pflanzen Platz haben, sondern auch dem Gärtner muss ein Rest Bewegungsfreiheit bleiben.  Weise Beschränkung ist gefragt – nicht gerade meine Stärke.

Aber manchmal trägt mein Übereifer doch Früchte: Die Auberginen “Baby Rosanna”, deren Anbau ich ja eigentlich für eine Wahnsinnstat hielt, hängen voller kleiner, tiefvioletter Bällchen. Und die Paprika im Kübel trägt drei grüne Früchte von beinahe Supermarktformat. Bald gibt es Ratatouille aus dem Zentralgarten!

2 Antworten zu “Der kleine Horrorgarten”

  1. Tausendschön sagt:

    Also … unter “Hororgarten” stelle ich mir was anderen vor - zum Beispiel die Pflanzenwüsten, die ich bei einem kleinen Spaziergang durch unsere Vorstadt so sehe. Davon ist dieses Berliner Kleinod doch selbst nach ein paar Urlaubswochen Lichtjahre entfernt.

  2. seeräuberjenny sagt:

    Sonderbar, bei Baby Rosanna im Horrorgarten denk’ ich gleich an Rosemaries Baby, das ja auch unter durchaus wahnsinnigen Bedingungen gewachsen sein soll. Weiß irgendwer, woher diese Art ihren Namen bekam?

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