Die Wundertüte
Der größte Luxus im Garten ist es für mich, Blumen für die Vase zu schneiden – etwas, vor dem ich früher immer zurückgeschreckt bin. Jede Blume im Garten war mir heilig, sie zu pflücken, ein Sakrileg. Allmählich
aber ändere ich meine Einstellung. Denn zum einen verbringe ich (leider) doch substanziell mehr Zeit am Schreibtisch als im Garten, und eine Blüte in meinem Büro habe ich demnach länger vor Augen als ihre Schwester im Beet.
Und zum anderen habe ich dieses Jahr erstmals ein paar Pflanzen extra als Schnittblumen angebaut – inspiriert von der britischen Idee des “cutting garden”. Als ich nämlich im Frühjahr das Gemüsebeet angelegt habe, sah es so riesengroß und leer aus, dass ich ganz hinten eine Reihe Sommerblumen ausgesät habe. Es war der Inhalt einer Tüte mit einer Samenmischung, die irgendeiner Bestellung als Geschenk beigelegen hatte. Also genau das, was man nicht gebrauchen kann, wenn man Wert auf Farbkombinationen und planvolles Gärtnern legt.
Aber ich muss sagen, kaum etwas hat mir in diesem Sommer so viel Spaß gemacht wie der Inhalt dieser Wundertüte. Gespannt wie ein Kind am Gabentisch habe ich darauf gewartet, was sich aus den ganzen unbekannten Sämlingen entwickeln würde. Korn-, Ringel- und Wucherblumen manifestierten sich schließlich (letztere werden ihrem Namen absolut gerecht), momentan blühen faustgroße Tagetes – bizarre Gewächse, die in der Vase aber ziemlich dekorativ aussehen –, auch eine rosa Zinnie, eine Malve und ein ephemerer, blassroter Mohn sind aufgetaucht.
Da sich das Gemüsebeet natürlich schnell füllte und alsbald überquoll, grub ich im Juni die Hälfte der Jungpflanzen aus und setzte sie auf unserer Dachterrasse in einen XL-Trog, den Nachbar E. auf seinem Balkon nicht mehr unterbekommen und uns großzügigerweise gespendet hatte (an dieser Stelle nochmals vielen Dank!!).
Es war eine Verlegenheitslösung, doch die Pflänzchen starteten sofort durch und verwandelten den Kübel zusammen mit der 99-Cent-Rose in ein kunterbuntes Blütenknäuel. Dieses Arrangement läuft zwar meinem üblichen Gartengeschmack komplett zuwider, aber Spaß muss sein. Außerdem locken die Wundertüten-Blumen Bienen und Hummeln in die luftige Höhe, und ich habe jetzt immer einen Blumenstrauß auf dem Tisch stehen.
13. August 2009 um 15:11
Zentralgärtnerin, baust Du auch Lilien an - und erntest Du sie als Schnittblumen? Unser Nachbar hat immer welche an seinem Fenster stehen, sieht sehr beeindruckend aus!
13. August 2009 um 15:19
Hat sie, siehe hier:
http://www.zentralgarten.de/2009/07/17/urlaub/
Lilien am Fenster kann ich auch sehr empfehlen.
Gartengrüße
Salaì
13. August 2009 um 15:32
Hallo Zentralgärtnerin,
der Zugriff auf deinen Blog wird sicherlich ab heute rapide in die Höhe schießen - Frau Wiborg sei Dank! Doch ich kann nur sagen, es lohnt sich. Kein Gelabber, sondern qualifizierte Einträge einer Gartenfreundin. Besonders gefallen hat mir dein Eintrag zur Buga Schwerin; ich fand die Bilder der Gestaltungen, die ich bisher online gesehen habe, auch zu konventionell und teilweise zu bunt und wollte eigentlich nicht hinfahren. Da wir jetzt aber unseren diesjährigen Betriebsausflug dorthin machen, sage ich natürlich nicht nein.
Gut auch deine Kommentare zu dem vielen Dekoschnickschnack, mit dem manche Leute sich ihren Garten vollstellen. Bin ich auch kein Freund von.
Also ich freue mich, so einen tollen Blog gefunden zu haben und werde sicher öfter reingucken!