Mediale Höhenflüge
Keine drei Jahre ist mein Garten alt, und schon hat er es zum Filmstar gebracht. Na ja, genau genommen handelt es sich um einen knapp dreiminütigen Videoclip auf “Zeit online”, aber immerhin. Natürlich bin ich sehr stolz, zumal ich im begleitenden Artikel der Kollegin Susanne Wiborg in einem Atemzug mit Hillary Clinton und Michelle Obama genannt werde. Allerdings folgt im nächsten Atemzug die bei allem Erfolg doch etwas biedere Zeitschrift Landlust…
Offenbar ist mein Garten also im magischen Dreieck zwischen besagter Zeitschrift, Weißem Haus und ebenfalls gärtnernder Gisele Bündchen zu verorten, obwohl die, wie meine Freundin Kirsten moniert, “nicht einmal eine Gießkanne richtig halten kann”. Wie dem auch sei, vielen Dank an die netten Besucher von “Zeit online” und speziell den Kameramann, dem es gelang, meinen Garten trotz urlaubsbedingtem “Bad Hair Day” im besten Licht erscheinen zu lassen.
Besonders gut gefallen hat mir in Susanne Wiborgs Artikel übrigens das Zitat des britischen Schriftstellers Beverly Nichols über die zu seiner Zeit als teppichartige Beetbepflanzung beliebten Begonien : ”Sie sind keine Blumen, sie sind ein Gemütszustand, und ein sehr bedauerlicher Gemütszustand noch dazu.”
Aus heutiger Sicht hat natürlich längst der Buchsbaum diesen Platz eingenommen, und zwar in seinen von mir bereits mehrfach beklagten Erscheinungsformen als Kugel, Kegel oder Dauerlutscher, die grundsätzlich paarweise auftreten. Wahrlich ein bedauerlicher Gemütszustand, der viel mit Ideenlosigkeit, Second-Hand-Geschmack und Hang zur Repräsentation zu tun hat und wenig mit der von Susanne Wiborg so leidenschaftlich heraufbeschworenen Freude am Gärtnern.
Na, ich kann nur hoffen, dass der momentan überall in der deutschen Presse hochgeschriebene Trend zum eigenen Fleckchen Grün tatsächlich existiert. Hier in meinem Viertel ist nach wie vor nicht viel davon zu spüren. Schön wär`s jedenfalls, auch in Berlin-Mitte mehr Rambler-Rosen à la Wiborg und weniger Buchskugeln zu sehen!