Septemberdüfte

Der Sommer ist definitiv vorbei. Immer kürzer scheint die Sonne in meinen Garten, und von Tag zu Tag wird der Streifen schmaler, den sie mit ihrem Strahlen streift. Eine gewisse Hektik breitet sich aus: Wie viele Tomaten werden noch erröten, bis ich die letzten grünen Früchte zum Nachreifen ins Haus holen muss? Schaffen es die beiden kleinen Kürbisse noch, auf Ernteformat anzuschwellen? Und wird wirklich nur eine einzige Paprika vollreif-rot durchs Ziel gehen?

Es ist wie bei einem Staffellauf. Soeben sind etwa die letzten weißen Sternchenblüten der Hosta-Sorten “Guacamole” und “Royal Standard” verwelkt, ihr wunderbarer, lilienartiger Duft verweht. Übernommen haben nun die September-Silberkerzen (Cimicifuga racemosa) und erfüllen den Garten mit ihrem eigentümlichen Aroma. Ich weiß nie, ob ich es angenehm oder bloß penetrant finden soll. Ihr Duft mutet nämlich seltsam synthetisch an; genauer gesagt erinnert er mich an den Geruch bestimmter Kaugummis, nach denen meine Tochter Dora so verrückt ist. Immerhin ziehen die Silberkerzen auch Bienen an – und, ebenfalls merkwürdig, Wespen.

Auf jeden Fall handelt es sich um beeindruckende, stattliche Stauden, die mir locker über den Kopf wachsen. Sie mögen schattige Plätze, an denen derzeit ja nicht mehr viel blüht. Bei mir stehen sie im Sommer allerdings viel zu sonnig und müssen gewässert werden; trotzdem ist ihr Laub schon reichlich vergilbt. Jetzt freilich bekommen sie gar kein direktes Licht mehr ab. Und das wird bis April so bleiben.

Das ist eben der Nachteil eines Stadt-Gartens zwischen hohen Mauern: Seine Saison ist so verdammt kurz. Und die Standort-Unterschiede zwischen Sommer (Mittelmeerklima) und Winter (kühl-feuchtes Gebirgstal) sind so extrem, dass manch eine Pflanzen da nicht mitmacht.

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