Nektar und Ambrosia

Die Sonne hat sich verabschiedet, nur der Kürbis, der sich auf die Eibenhecke von Nachbar Th. geschwungen hat, bekommt derzeit noch ein paar Strahlen ab. Trotzdem besuchen noch immer viele Bienen und auch gelegentlich der eine oder andere Schmetterling meinen Garten. Und, weniger willkommen, jede Menge Wespen, die offenbar magisch von den eigentümlich riechenden Silberkerzen (Cimicifuga) angezogen werden.

Öko-Gärtner setzen sich ja oft vehement für einheimische Pflanzen ein und neigen mitunter dazu, Gartenzüchtungen oder Gewächse anderer Kontinente zu verdammen. Nach meinen Beobachtungen zeigen Bienen, Hummeln & Co. jedoch keineswegs eine Präferenz für die mitteleuropäische Flora. Im Gegenteil: Um diese Jahreszeit blüht ja kaum noch eine einheimische Blume. Doch unverdrossen tummeln sich die Nektarsammlerinnen in meinem Staudenbeet, wo nun vor allem amerikanische Präriestauden noch Farbe zeigen.

Favoritin der Insektenwelt ist zweifellos die Duftnessel (Agastache foeniculum). Ständig scheint ein Windhauch über die Stauden zu streichen, dabei hängt die sächsische Landesflagge (!) auf dem Dach unseres Lieblingsnachbarn Herrn H. schlapp herab. Es sind die Bienen, die die violettblauen Blütenkerzen fortwährend in Bewegung setzen. Diese duften übrigens gar nicht; ihren Namen verdankt die Duftnessel den Blättern, die, wenn man sie zerreibt, ein würziges Anis-Aroma verströmen. Agastachen sind auch sonst exzellente Gartenpflanzen; sie blühen lange, sind standfest und machen auch im Winter mit ihren vertrockneten Blütenständen etwas her.

Gern fliegen die Bienen bei mir auch Dahlien und Kosmeen an, beide in Mexiko daheim, während der europäische Majoran (Origanum), der eigentlich als gute Bienenweide geht, eher verschmäht wird. Die Echinaceen (USA) lockten Tagpfauenaugen an, während der Admiral regelmäßig vorbeiflatterte, um sich am Wasserdost zu laben (eine Eupatorium fistulosum-Hybride und damit, im Gegensatz zum heimischen Wasserdost E. cannabinum, ebenfalls Amerikanerin). Neulich saß er zu meiner Überraschung auf der Silberkerze, einem Gewächs aus Ostasien.

Ich schließe daraus, dass es für Bienen und Schmetterlinge nicht auf die Herkunft der Pflanzen ankommt, sondern darauf, dass es sich um ergiebige und selbstverständlich ungefüllte Blüten handelt. Zuchtformen, deren Staubfäden oder Röhrenblüten zu zusätzlichen Blütenblättern mutiert sind, haben Insekten natürlich nichts zu bieten, ganz gleich, ob sie von heimischen oder exotischen Eltern abstammen.

Eine Einschränkung muss ich allerdings machen: Die Raupen der Schmetterlinge sind längst nicht so flexibel in ihrer Diät. Aber ihre bevorzugten Futterpflanzen – Brennnesseln etwa – mag ich mir dann doch nicht in meinen Mini-Garten holen.

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