Neuentdeckungen
Neulich habe ich mir zwei Bände mit alten Gartenkolumnen des mittlerweile verstorbenen Zeit-Autors Jürgen Dahl aus der Bibliothek geholt (”Nachrichten aus dem Garten”. Obwohl die Texte teils über 20 Jahre
alt sind, wirken sie noch immer frisch und inspirierend. Vor allem hat mir gefallen, welche Aufmerksamkeit Dahl unscheinbaren Gewächsen - oft unbekannten heimischen Wildpflanzen – und kleinsten Details widmete. So legte er eine Wegerich-Sammlung (!) an und registrierte genau, welche subtil unterschiedlichen Formen dieser wandelbaren (Un)Kräuter in seinem Garten gediehen.
“Was man beim Gang durch den Garten sieht, ist nur eine Oberfläche”, heißt es an anderer Stelle, “darunter sind Farben und Strukturen verborgen, die man erst aufspüren muss.” Dahls Kolumnen haben mich nachdenklich gemacht, schaue ich im Garten doch oft genug nur auf eben diese Oberfläche. Denn ich pflege Pflanzungen mit den Augen einer Ästhetin zu sehen, freue mich an Farbkombinationen und Kontrasten in Form und Textur - ganz im Sinne Gertrude Jekylls, der Mutter der klassischen britischen Staudenrabatte. Sie war ja von Haus aus eine, wenn auch unbedeutende, Malerin.
Doch bei dieser Art des Sehens entgehen mir natürlich zahllose Details. Und das muss sich ändern! Deshalb werde ich Dahls Anregung folgen und mir eine Lupe zulegen. Zuletzt hatte ich so etwas in der Hand, als ich im Alter von dreizehn Jahren Detektiv spielte.
Wie viel orangene Samen stecken zum Beispiel in den pinkfarbenen, fein gefälteten Paketen des Pfaffenhütchens (Euonymus europaeus)? Nebenbei eine so grelle Farbzusammenstellung, dass Getrude Jekyll indigniert die Augenrauen hochgezogen haben muss, aber in der Natur sieht so ein Herbststrauch trotzdem wunderbar aus.
Ein Prachtexemplar entdeckte ich im botanischen Garten der Uni Potsdam, auch dies ein Ergebnis meines Versuchs, den Blick auf sonst Übersehenes zu richten. Dutzende Male bin ich im Park von Sanssouci
spazieren gegangen, doch nie hatte ich den kleinen, aber liebevoll angelegten botanischen Garten wahrgenommen, der in das Gelände eingebettet liegt. Er besitzt Gewächshäuser, ein Alpinum - alles, was dazu gehört, darunter auch eine Sammlung von Gehölzen mit interessanten Früchten.
Beim Versuch, allerlei Beeren und Schoten zu fotografieren, gelang mir gleich noch eine Entdeckung: Endlich fand ich heraus, wie die Makroeinstellung unserer nicht mehr ganz neuen Digitalkamera funktioniert. Um das zu erfahren, hätte ich natürlich auch die Betriebsanleitung lesen können. Aber so neugierig bin ich dann auch wieder nicht.