Archiv für November 2009

Ein Baum ist ein Baum ist ein Lolli

Montag, 30. November 2009

Es gibt ja Kinder, die können gut malen, und solche, die da nicht so begabt sind. Letztere zeichnen zum Beispiel einen Baum mit einem gleichmäßig dicken Stamm und kugelrunder Krone. Die anderen haben spätestens im Alter von fünf Jahren beobachtet, dass ein Baumstamm kein Rohr ist und eine Baumkrone selten ein Ball. Leider machen manche Menschen diesen Erkentnisfortschritt nie mit, und wenn sie dann alt genug sind, einem Landschaftsgärtner viel Geld hinterherzuwerfen, lassen sie sich Dauerlutscher vor die Tür setzen.

Ich rede von der grassierenden Marotte, statt anständiger Bäume mopartige Gebilde mit runder Krone zu pflanzen, und das paarweise, wenn nur irgend möglich. Allein von meinem Schreibtisch aus genieße ich den Blick auf fünf solche Trauergestalten in fünf Gärten (!). Bei vieren davon handelt es sich um Kugelahorne, die fünfte ist eine Kugelrobinie.

Pretty Patricia

Freitag, 27. November 2009

Nun hat die Zeit begonnen, da man die blühenden Pflanzen draußen an den Fingern einer Hand abzählen kann. Nur mein Vorgarten erlebt seinen unzeitgemäßen Blütenrausch mit den beiden notorischen Chrysanthemen, die, wie ich schon geahnt habe, weder in Form noch Farbe harmonieren. Aber was soll’s, Ende November sollte man über jede Blüte dankbar sein und nicht zu viel Wert auf gärtnerisches Chichi legen.

Im Innenhof dagegen dominiert längst das spätherbstliche gelb-braun. Nur die Dahlie “Faszination” zeigt bislang keine Ermüdungserscheinungen, allenfalls sind ihre pinkfarbenen Blüten ein wenig kleiner und blasser geworden. Die ersten Blüten des Duftschneeballs (Viburnum farreri) haben sich geöffnet; ich will dieses Jahr ein paar Zweige für die Vase opfern, damit ich den zarten Vanilleduft endlich richtig genießen kann. Draußen in der Kälte spürt man ihn nämlich kaum.

Meditation über den Kiesgarten

Montag, 16. November 2009

Das Ehepaar G. zwei Häuser weiter, beide erfolgreiche Juristen, hat weder Zeit noch Lust, sich mit seinem Garten zu befassen. Deshalb ließen sie ihre Parzelle im streng minimalistischen Stil begrünen: Rollrasen, Buchshecke und drei antennenartig deformierte Platanen, die einmal so eine Art Laube ergeben sollen. Leider haben die G.’s, jeglicher botanischer Kenntnisse unverdächtig, nicht geahnt, dass auch ein Rollrasen Pflege benötigt: Er will gemäht werden!

Also sieht (und hört) man Herrn G. im Sommer alle zwei Wochen samstags den Rasenmäher herumschieben, wobei ihm seine Gattin Gesellschaft leistet. Einmal hörte man sie stöhnen: “Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit so ein Rasen macht, hätten wir einen japanischen Kiesgarten angelegt!”

Faux-pas im Staudenbeet

Montag, 09. November 2009

Welcher Gärtner träumt nicht von einer klassischen Staudenrabatte in raffinierten, fein abgestuften Farbkombinationen? Oder ganz in weiß wie Vita Sackville-Wests berühmte Kreation im Garten von Sissinghurst? Tja, wenn das mal so einfach wäre. In der Praxis stößt man nämlich auf allerlei Hindernisse, an denen die wohldurchdachten Pflanzpläne scheitern.

Da ist zum einen das Klima, das im Sommer deutlich heißer und trockener ist als im Mutterland der Gartenkunst, Großbritannien. Während dort die Stauden bei kühl-feuchter Witterung ihre Blüten hinreichend lange erstrahlen lassen, welken sie bei uns viel schneller dahin. Die Folge: Sorgsam arrangierte Blumenpaare verpassen ihr Rendez-vous.

Gemein!

Montag, 02. November 2009

Normalerweise sorgt der morgendliche Gartenrundgang für einen fröhlichen Start in den Tag. Manchmal aber kann er mir auch nachhaltig die Laune verderben. Gestern zum Beispiel entdeckte ich drei kleine, unauffällige Kuhlen im Staudenbeet. Auffällig war bloß, dass sie sich an eben der Stelle befanden, wo ich zehn Tage zuvor Winterlinge gesetzt hatte.

Ich grub nach und fand meine Befürchtung bestätigt. Besser gesagt: Ich fand – nichts. Keine einzige der kleinen, braunen Knollen war übrig geblieben. Es müssen Mäuse gewesen sein.