Archiv für Dezember 2009

Köpfen oder nicht?

Mittwoch, 23. Dezember 2009

“Deadheading” nennen die Briten etwas makaber das Abschneiden verblühter Blumen und Samenstände. Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass das herbstliche Köpfen aller verdorrten Stauden und Stängel nicht sehr ökologisch ist. Denn in hohlen Halmen überwintern viele Insekten, und Vögel picken gern an Samenständen. Dieses Jahr waren bei mir wieder die Stieglitze zu Gast – inzwischen sind sie zu viert –, um die Köpfchen der Karde leerzufuttern. Aber auch an anderen Samenständen, zum Beispiel der Echinaceen, bedienen sich die Vögel gern.

Wer jeden verblühten Halm kappt, beraubt sich aber auch einer ästhetischen Dimension des Gartens: Trockene Halme und Kapseln können ungemein dekorativ aussehen – vor allem, wenn der Schnee ihnen, wie in den letzten Tagen, Häubchen aufsetzt. Aber mit der Ästhetik ist das so eine Abwägungssache: Was der eine grafisch reizvoll findet, erscheint dem anderen trist und morbide.

Tropische Gartengemälde

Montag, 14. Dezember 2009

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.

Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.

Lesefrüchte für den Weihnachtsbaum

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ich bin süchtig nach Gartenbüchern, ich bekenne es. Leider hinterlässt ihr Konsum oft ein ähnlich schales Gefühl wie das obsessive Leeren einer Chipstüte oder das heimliche Vertilgen der Schokoweihnachtsmänner, die eigentlich dem Nachwuchs zugedacht waren. Die immer gleichen schönen, glatten Bilder, die belanglosen Texte – wie viele Stunden habe ich schon mit so wenig anregender Lektüre vertan!

Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der deutschen Bücher über Gartengestaltung einen rosenrüschig-romantischen Stil propagiert, der weder zu mir noch zu meinem Garten mitten in der Großstadt passt. Die restlichen Werke widmen sich dann den repräsentativen Natursteinorgien samt Schwimmteich und Formgehölzen. Auch nicht mein Ding.