Lesefrüchte für den Weihnachtsbaum

Ich bin süchtig nach Gartenbüchern, ich bekenne es. Leider hinterlässt ihr Konsum oft ein ähnlich schales Gefühl wie das obsessive Leeren einer Chipstüte oder das heimliche Vertilgen der Schokoweihnachtsmänner, die eigentlich dem Nachwuchs zugedacht waren. Die immer gleichen schönen, glatten Bilder, die belanglosen Texte – wie viele Stunden habe ich schon mit so wenig anregender Lektüre vertan!

Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der deutschen Bücher über Gartengestaltung einen rosenrüschig-romantischen Stil propagiert, der weder zu mir noch zu meinem Garten mitten in der Großstadt passt. Die restlichen Werke widmen sich dann den repräsentativen Natursteinorgien samt Schwimmteich und Formgehölzen. Auch nicht mein Ding.

Formgehölze findet man zwar auch in Elke von Radziewskys Buch “Moderne Gärten” reichlich, dennoch hebt es sich von all den austauschbaren Bildbänden ab. Denn die Autorin, Gartenredakteurin von “Architektur & Wohnen” hat auch eine Reihe wirklich origineller Privatgärten ausfindig gemacht und erzählt zu jedem von ihnen eine kleine Geschichte, die jegliche “Man betritt den Garten durch… und steht vor…”-Lyrik weit hinter sich lässt. Am besten gefallen hat mir ein Garten, der in den Relikten einer aufgegebenen Gärtnerei entstand und die Fundamente der Gewächshäuser geschickt einbezieht. Ein hervorragendes Beispiel, wie sich ungenutzte Gewerbeflächen und Baulücken in der Stadt gärtnerisch verwandeln lassen. Leider ist das Buch nicht gerade billig.

Das vielleicht beste Gartenbuch, das mit dieses Jahr untergekommen ist, gibt es leider bislang nicht auf deutsch: “Natural Garden Style” von Noel Kingsbury. Der britische Autor diskutiert umfassend, aber undogmatisch, wie sich Naturnähe und ökologische Tauglichkeit mit anspruchsvollem Design vereinbaren lassen – für mich die zentrale Frage der Gartengestaltung überhaupt. Auch dieses Buch enthält viele schöne Bilder, doch in ungewohnter Ästhetik.

Und dann kann ich noch ein (ebenfalls englisches) Bändchen wärmstens für den Gabentisch oder besser noch zum Selberlesen empfehlen: Amy Stewarts “From the Ground up” entdeckte ich beim müßigen Herumklicken (noch so ein Suchtverhalten…) auf Amazon. Es ist die Geschichte eines ersten Gartens, den eine Texanerin in einem kalifornischen Küstenstädtchen anlegt – an einem mehr als ungewöhnlichen Ort. Bar jeglicher Erfahrung geht sie nach dem Trial-and-Error-Verfahren vor und berichtet mit viel Selbstironie von ihren Fehlschlägen und finalen Erfolgen.

Amy scheint mir eine Schwester im Geiste zu sein, ihr Projekt ähnelt in mancher Hinsicht meinem Zentralgarten. Nur dass in ihrer Nachbarschaft nicht das Außenministerium aufragt, sondern die gigantische Achterbahn eines Vergnügungsparks. Eines der nettesten Gartenbücher, das ich kenne – ganz ohne Fotos und Formgehölze.

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