Tropische Gartengemälde

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx bietet derzeit die Botschaft des lateinamerikanischen Staates in Berlin. Selten gingen Kunst und Gartengestaltung eine so enge Symbiose ein wie im Werk des deutschstämmigen Burle Marx (1909-1994), der übrigens auch als Maler, Musiker, Bühnenbilder und Kunsthandwerker glänzte. Zudem setzte er sich schon zu einem Zeitpunkt für den Schutz der tropischen Pflanzenwelt ein, als die Zerstörung der brasilianischen Urwälder noch kaum jemanden aufregte.

Faszinierend zu sehen, wie Marx` Pflanzpläne kaum von seinen abstrakten Gemälden zu unterscheiden sind. Noch die Blaupausen seiner Pläne könnten bequem in jedem Museum neben Miró und Delaunay hängen. Marx liebte organische Formen in starken Farben – und so legte er auch seine zahllosen Privatgärten und Parks an. Trotz oder gerade wegen ihrer grafischen Gestaltung und der leuchtenden Farbflächen fügen sich die Gärten perfekt in die – oft spektakuläre – tropische Landschaft ein.

Überhaupt erfasst den Betrachter der blanke Neid, aber auch eine Irritation, wenn er auf dem Bildschirm die Fotos eines tropischen Gartens nach dem anderen vorbeiflimmern sieht. All die Fazendas und Residenzias mit ihren gigantischen Grundstücken und Blick auf den Zuckerhut – wie viele Superreiche es in Brasilien doch geben muss. Im Hinterkopf laufen dann die Bilder von Favelas und Straßengangs mit. Ein wenig tröstlich immerhin, dass Burle Marx auch großzügige Parks und Promenaden in Brasiliens Megastädten geschaffen hat, die jedem offen stehen.

Die Ausstellung läuft bis zum 6. Februar.

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