Köpfen oder nicht?

“Deadheading” nennen die Briten etwas makaber das Abschneiden verblühter Blumen und Samenstände. Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass das herbstliche Köpfen aller verdorrten Stauden und Stängel nicht sehr ökologisch ist. Denn in hohlen Halmen überwintern viele Insekten, und Vögel picken gern an Samenständen. Dieses Jahr waren bei mir wieder die Stieglitze zu Gast – inzwischen sind sie zu viert –, um die Köpfchen der Karde leerzufuttern. Aber auch an anderen Samenständen, zum Beispiel der Echinaceen, bedienen sich die Vögel gern.

Wer jeden verblühten Halm kappt, beraubt sich aber auch einer ästhetischen Dimension des Gartens: Trockene Halme und Kapseln können ungemein dekorativ aussehen – vor allem, wenn der Schnee ihnen, wie in den letzten Tagen, Häubchen aufsetzt. Aber mit der Ästhetik ist das so eine Abwägungssache: Was der eine grafisch reizvoll findet, erscheint dem anderen trist und morbide.

Natürlich sollte man versuchen, genau hinzuschauen, den Reiz des Vergänglichen wahrzunehmen und schätzen zu lernen. Allerdings sind nicht alle abgestorbenen Pflanzenreste eine optische Bereicherung. Manche verwandeln sich spätestens nach dem ersten Schnee in Schleim und Matsch; andere stehen zwar aufrecht, wirken aber ungeschlacht und grob. Meine Sonnenblumen im Vorgarten zum Beispiel.

Und so überlege ich jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, ob die schwarzverdorrte, verzweigte Riesensonnenblumenleiche nun eine skulpturale Qualität hat oder einfach nur hässlich ist. Das Ergebnis der Überlegung variiert je nach Tagesform und Laune – ist aber ohnehin irrelevant. Ich komme nämlich einfach nicht dazu, das Ungeheuer ab- und kleinzuschneiden. und so bleibt der Kopf wohl dran, bis zur großen Abräumaktion im Februar vermutlich.

Ich wünsche Euch allen frohe, vielleicht ja sogar weiße Weihnachten, einen guten Rutsch und gutes Gedeihen in 2010!

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