Asiatica
Garten? Welcher Garten? Hinter dem Haus erstreckt sich nichts als ein Schneefeld, aus dem verdorrte Stängel und kahle Zweige ragen. Trost spendet da nur eine kleine Plantage in meinem Arbeitszimmer. Dort
sprießen aus einer Reihe Töpfe am Fenster ein paar Stecklinge und Halme. Ehrlich gesagt, sehen sie ziemlich armselig aus. Trotzdem setze ich große – nicht zuletzt kulinarische – Hoffnungen in die Pflänzchen.
Immer mal wieder hatte ich gelesen, dass man Zitronengrashalme aus dem Asien-Laden in einem Glas Wasser bewurzeln könne; ganz daran geglaubt habe ich nicht. Schließlich lagern sie da unbestimmte Zeit im Kühlschrank. Trotzdem habe ich es ausprobiert. Erst tat sich wochenlang nichts, bis schließlich das äußere Blatt zu vertrocknen begann. Ich riss es ab, stellte den Halm zurück ins Wasser, und siehe da! – an der Bruchstelle sprossen binnen Tagen Wurzeln. Ich wiederholte die Behandlung bei einem zweiten Halm, mit demselben Ergebnis. Inzwischen haben sich schon neue Blätter an der Pflanzenbasis gebildet.
Und dann entdeckte ich kürzlich im Asien-Laden überlagerte Ingwerwurzeln, an denen winzige Triebspitzen saßen. Oft sind die Rhizome mit keimhemmenden Mitteln behandelt, deshalb griff ich sofort zu und topfte die Wurzel ein. Es dauerte ziemlich lang, doch nun schiebt sich ein grüner Trieb unaufhaltsam aus der Erde. Frisch geernteter Ingwer soll viel aromatischer und weniger faserig sein als importierte Ware. Ich bin gespannt.
Und dann ist es mir dieses Jahr gelungen, Ende Oktober eine getopfte Chili-Pflanze ins Haus zu holen und am Leben zu erhalten. Bis dato hatten meine Chilis auf die Umstellung immer mit Blattlausbefall und Dahinsiechen reagiert. Es handelt sich um eine selbst aus Samen gezogene Sorte namens “Sibirischer Hauspaprika”, erhältlich bei der unglaublich gut sortierten Kräuter- und Duftpflanzengärtnerei Rühlemann`s, und ich kann versichern, dass sie diesen Namen zu Recht trägt. Nicht nur übersteht diese Chili unglaublich kaltes Wetter wenige Grad über Null, sondern produziert auch dermaßen scharfe Schoten, dass einem noch im eisigsten Sibirien der Schweiß ausbrechen dürfte.
Zusammen mit dem ausdauernden Basilikum “African Blue” (Ocimum kilimandscharicum x basilicum), das geschmacklich dem Thaibasilikum näher steht als der klassischen Genoveser Sorte und dessen Stecklinge auch endlich angewurzelt sind, habe ich also alle Zutaten für ein zünftiges Thai-Curry beisammen. Kochen statt gärtnern ist das Gebot der Stunde.