Geheim, aber nicht aufregend
Da ich ja in meinem Garten nach wie vor nur weiß sehe, habe ich mich wieder einer weiteren
Lieblingsbeschäftigung zugewandt: Gartenbücher lesen. Und siehe da, endlich hat die Bibliothek den Band “Die geheimen Gärten von Berlin” ausgespuckt, nach dem ich hier ja schon einmal gefragt wurde. Also eine kurze Rezension.
Ein gediegenes Buch, keine Frage, sehr gut fotografiert, nett zum Blättern. Aber, liebe Rita, kaufen würde ich es mir nicht. Weil mir die Auswahl doch zu konventionell ist – schöne, repräsentative, aber nicht sonderlich originelle Gärten. Um nicht zu sagen: bieder. Klar, da ist der eine oder andere spektakuläre Villengarten mit Wassergrundstück, aber mir fehlt doch der zeitgemäße Touch. Mit einer Ausnahme vielleicht finden sich keine Beispiele moderner Pflanzenverwendung, kein wirklich frisches Design. Und deshalb für mich auch keine Inspiration.
Angeblich, gibt der Autor Georg von Gayl (dessen architektendeutsch ich im übrigen enervierend finde) zu Protokoll, habe seine Recherche in dieser Kategorie nichts Vorzeigbares zutage gefördert. In der ganzen Hauptstadt soll es keinen sehenswerten modernen Garten geben? Da wüsste ich aber ein paar Gegenbeispiele – was ist etwa mit dem berühmten “Tankstellengarten” in Schöneberg? Und sollte ich denn unter 3,4 Millionen Berlinern der einzige Fan von Piet Oudolf, Cassian Schmidt & Co. sein? Fazit: für 49,95 Euro lieber ein paar Pflanzen kaufen. Wenn der Schnee weg ist.
09. Februar 2010 um 16:35
Danke, Zentralgärtnerin, dass du das Thema noch mal aufgenommen hast. Ich hatte inzwischen Gelegenheit, mir das Buch von einer Freundlin auszuleihen und bin auch froh, das Geld gespart zu haben. Es sind zwar ganz nette Einblicke in Berliner Außenbezirke und tolle “locations” dabei, aber die Gärten an sich sind gar nicht so interessant. Die steife und umständliche, zum Teil auch fehlerhafte Sprache des Autors hat mich auch beim Lesen gestört (ständig spricht er von irgendwelchen “Situationen”).
Mein schönstes Gartenbuch diesen Winter waren Eva Demskis “Gartengeschichten”, wobei es weniger um die Gärten als um die Gärtner geht. Sehr einfühlsam geschrieben.
Inzwischen bin ich aber auch so wintergefrustet (”und täglich grüßt das Murmeltier”), dass ich noch nicht mal mehr Lust auf Gartenbücher oder Beetplanungen habe. So habe ich mein Bücherregal nach alten Klassikern durchforstet, die ich vor 20 Jahren gelesen habe und lese gerade einen der Bände von Marcel Prousts “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”. Und was entdecke ich da und erfreut mein Herz beim Lesen? Es sind zum Teil ganz tolle Gartenbeschreibungen dabei, wenn er seine Großmutter in ihrem Garten beschreibt.
14. Februar 2010 um 12:28
Liebe Zentralgärtnerin,
kennst Du noch gar nicht Vita Sackville-West´s “Aus meinem Garten” möglichst Ausgabe 1993 Ullstein-Buch Nr. 34330 (ist bereits vergriffen, gibt es nur noch gebraucht). Sie findet zu jeder Jahreszeit etwas im Garten. So geht es auch mir. Der Winterjasmin fängst an an sonnigen Ecken sein Gelb zu versprühen. Auch die Schneeglückchen (hört sich doch viel schöner an!) schieben sich vorwitzig aus dem Rasen und suchen nach der Sonne. Die Rosen fangen schon an zu treiben. Mein Garten ist auch weiß, aber man spürt den Frühling förmlich in den Startlöchern.
Freundliche Grüße aus der sonnigen Pfalz
vom Falkenauge
19. Februar 2010 um 11:05
@ Rita: Ja, Eva Demski hat mich auch total begeistert - vor allem die wunderbare Geschichte über den Garten ihrer Mutter. Aber das ist halt ein anderes literarisches Niveau als die übliche Gartenprosa…
@ Falkenauge: Du hast es echt gut da unten. Ich habe bislang nur EINE Knospe EINES Schneeglöckchens gesichtet. Ich wette, Vita Sackville-West hat ihr Lebtag lang nicht so viel Schnee gesehen - ich übrigens bis Weihnachten auch nicht!