Urzeit-Garten

In letzter Zeit habe ich mich beim Bloggen ja etwas zurückgehalten, und das lag nicht nur am Schnee. Es hatte auch mit Dinosauriern zu tun. Über deren Evolution habe ich für ein Magazin gerade einen Artikel geschrieben und bin dabei so sehr dem Dino-Fieber verfallen wie zuletzt mit acht Jahren, als ich noch Paläontologin werden wollte. Dank an dieser Stelle an Heinrich Mallison vom Berliner Naturkunde-Museum, der mich bis in den Knochenkeller seines Hauses führte, wo auf Lagerregalen die Relikte der Urzeitviecher vor sich hin stauben. Hat jemand schon einmal die Klaue eines Sauriers in der Hand gehalten, der vor 200 Millionen Jahren gelebt hat? Ein eigenartiges Gefühl.

Aber da bei mir ja immer das Thema Garten im Hinterkopf mitläuft (und beim Schreiben jede Ablenkung recht ist), habe ich im Geiste einen Urzeit-Garten entworfen. Denn mich fasziniert die Vorstellung einer Pflanzenwelt, die so ganz anders aussah als unsere heutige Vegetation: keine Blumen, keine Gräser, keine Laubbäume. Blütenpflanzen kamen schließlich erst im Laufe der Kreidezeit auf. Statt dessen Gewächse, die durch formenreiches und stark strukturiertes Blattwerk auffallen. Genau das Richtige für Minimalisten also, grün in grün, aber mal origineller als die ewigen Formgehölze.

Wie könnte er also aussehen, mein Garten des Mesozoikums? Ein lockerer Hain aus Araukarien, am besten die bei uns leidlich winterharte  Araucaria araucana.  Darunter ein Teppich aus Farnen, Schachtelhalmen und Bärlapp. Als Blickfang vielleicht ein Gingko, der im Herbst sogar ein wenig Farbe ins Spiel bringt. Wer im Weinbauklima gärtnert, kann es auch mit Baumfarnen versuchen: Dicksonia antarctica übersteht zumindest in England vielerorts den Winter.

Ein Teich müsste her, um Libellen anzulocken. Seerosen haben darin natürlich nichts zu suchen; ich stelle ihn mir als schwarzes Auge im filigranen Grün der Farne und Sumpfschachtelhalme vor. Bienen und Fliegen sind hingegen nicht zugelassen, sie dürften wegen des Mangels an Blüten und Früchten aber auch nicht auftauchen.

Das Schöne ist: Der Urzeit-Garten ist absolut pflegeleicht und weitgehend krankheitsfest. Oder hat jemand schon mal Blattläuse an Schachtelhalm gesehen? Und sogar auf Dinosaurier müssen wir nicht verzichten: Nach einhelliger Meinung der Paläontologen gehören Spatz und Amsel nämlich definitiv dazu.

4 Antworten zu “Urzeit-Garten”

  1. Zia sagt:

    Ob es damals wohl überhaupt schon Blattläuse gab? Eher nicht oder?
    In so einem Garten dürften auch Schnecken kaum was zu fressen finden.
    Der “Wildverbiß” duch pflanzenfressende Saurier dürfte dafür allerdings erheblich gewesen sein…
    …und Menschen hätten darin natürlich auch nichts zu suchen.
    ;-)
    Zia

  2. Salaì sagt:

    Zentralgärtnerin, bei mir wohnen die Saurier nebenan. Manchmal schauen sie über den Zaun und rümpfen die Nase. Kennst Du das auch?

  3. Zentralgaertnerin sagt:

    @ Zia: Nee, Insekten und damit Blattläuse kamen erst im Laufe der Kreidezeit so richtig auf, in Ko-Evolution mit den Blütenpflanzen. Aber so ein Brachiosaurus hätte den Garten sicherlich schnell plattgemacht…
    @ Salai: Ja, ich glaube, ich weiß was Du meinst, so Gartenfossilien kenne ich auch. Meine Nachbarn hier sind aber eher jung, smart und dynamisch, aber völlig gartendesinteressiert.

  4. Salaì sagt:

    @Zentralgärtnerin: Guido? Der ist doch bei Dir in der Gegend.
    Und was deine anderen Nachbarn angeht: Mögen die den?

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