Rosen-Roulette
Seit einiger Zeit rätsele ich bei meinen Einkaufstouren im politisch unkorrekten Discounter schon über die Rosen, die da für 95 Cent zu haben sind. Zum Beispiel wird eine mysteriöse gelbe Kletterrose namens
“A. Meilland” angepriesen. Eine kleine Netzrecherche ergab, dass eine Rose namens “Mme. A. Meilland” zwar existiert, deren weitaus geläufigerer Name jedoch “Gloria Dei” lautet. Dieser Klassiker aber ist nicht nur keine richtige Kletterrose, sondern auch keineswegs so knallgelb wie auf der Kartonage abgebildet.
Neugierig geworden, forschte ich weiter und stieß auf ein paar interessante Threads zum Thema. Es scheint, als ob Lebensmitteldiscounter und Drogerieketten schon seit Jahren derlei Billigrosen verramschen, wobei niemand so recht erklären kann, wie man zu diesem Preis damit Profit macht. Eine Vermutung lautet, es handele sich um Ausschuss von Rosenzüchtern, der unter Fantasienamen in den Handel kommt. Ein Forumsmitglied erzählte sogar, ein Bekannter sei auf diesem Wege zu zwei Bourbonrosen “Souvenir de la Malmaison” gekommen!
Da wollte ich mich natürlich auch an der großen Rosenlotterie beteiligen und suchte das stacheligste Exemplar aus, das ich finden konnte. Ich hatte nämlich kurz zuvor meine Alba-Rose “Queen of Denmark” gestutzt und schwer unter der XXL-Bestachelung der historischen Sorte gelitten. Mal sehen, was ich da erwischt habe. Angeblich handelt es sich um eine Beetrose namens “Marion”. Vielleicht ist es ja bloß eine stinknormale Rosa rugosa…
An der sehr unterschiedlichen Bestachelung und Statur der Triebe sieht man übrigens schon auf den ersten Blick, dass sich hinter gleichen Etiketten keineswegs immer die gleiche Sorte verbirgt. Aber ich habe mit den Billigrosen ja erstklassige Erfahrungen gemacht: Meine 99-Cent-Muttertagsrose ist im letzten Sommer nicht nur zu einem kräftigen und obendrein duftenden Exemplar herangewachsen, sondern hat auch den harten Winter problemlos überstanden – und das im Kübel auf der Dachterrasse!