Die Geständnisse der Z.
Nachdem ich in letzter Zeit ja nicht sehr präsent war, hier schon der zweite Eintrag in zwei Tagen. Aber langsam scheint es tatsächlich Frühling zu werden, und so, wie draußen die Säfte steigen, wächst bei mir
die Lust, über das Gärtnern nachzudenken und zu plaudern. Und da mein Gatte immer so einen glasigen Blick bekommt, wenn ich das G-Thema anschneide, bleibt mir da nur der Blog.
Nachdem ich nun schon begonnen habe, Geständnisse zu machen, kann ich ja gleich fortfahren. Und zum Beispiel verraten, dass ich heute für meinen aus allen Nähten platzenden Garten wieder ein Päckchen Stauden bestellt habe. Ich will nämlich meinen Vorgarten umgestalten, statt der unter der Trockenheit leidenden Präriestauden sollen Färberkamille (Anthemis), Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia x characias) und eine exquisite cremegelbe Fackellilie (Kniphofia “Vanilla”) einziehen.
Komisch nur, dass auf meinem Bestellzettel auch eine Krötenlilie (Tricyrtis, wird unter zu viel Kalk und Trockenheit leiden), ein Bartfaden (Penstemon, wird den nächsten Winter kaum überstehen) und eine Iris sibirica (hoffentlich robust genug für mich) standen. Wo die wohl wieder alle hin sollen? Aber Gärtnern ist nun mal keine rationale Betätigung.
Und noch ein Geständnis: Eigentlich mache ich es am liebsten ohne. Unvernünftigerweise, denn nachher sehen meine Hände aus, als hätte ich einen Igel gekrault, die Haut wird spröde und rissig, und jeder, der nichts von meiner Gartenleidenschaft weiß, muss glauben, ich würde von morgens bis abends Nägel kauen.
Das hat nun nicht viel mit dem oft beschworenen sinnlichen Erlebnis zu tun, in duftender Gartenerde herumzuwühlen. Ehrlich gesagt, ist die Erde bei mir entweder kalt und nass oder trocken und festgebacken. Der Verzicht auf Handschuhe ist vielmehr eine Folge meiner Ungeduld. Oder bindet jemand gern Clematistriebe mit behandschuhten Händen auf? Nicht einmal kleinere Unkräuter bekommt man auf Anhieb zu fassen. Und da ich natürlich keine Lust habe, erst meine Handschuhe zu holen, wenn ich gerade eine Brennnessel vor mir sehe, habe ich schon einiges einstecken müssen.
Aber jetzt wird alles anders. Ich habe nämlich in der von mir geschätzten Publikation “The English Garden” einen Handschuh-Test entdeckt. Der Artikel pries eine neue Generation von Handschuhen an, die angeblich wie eine zweite Haut sitzen und sich überdies in der Maschine (!) waschen lassen. Einmal in Kauflaune, habe ich beim Hersteller prompt zwei Paar bestellt, und, da es sich um ein britisches Produkt handelt, mich für ein wunderbar geschmackloses Apricot entschieden. Bin sehr gespannt, wie sich die zweite Aprikosenhaut bewährt. Ehrlich gesaht, mag ich meine Finger nicht ständig wegen beginnender Nagelbettentzündung mit dieser schwarzen Salbe einschmieren, die nach Motoröl riecht…
22. März 2010 um 15:54
@Zentralgärtnerin: Richard Reynolds trägt auch keine Handschuhe, sei tapfer. Hast du schon seine Facebook-Seite gesehen? “Pimp your pavement” bietet sogar Videos! Wir beiden Bloggerinnen sind technisch noch etwas hinterm Mond, fürchte ich. Dafür bist du dem charmanten Guerilla-Gärtner mit deinen Bepflanzungen ästhetisch um Lichtjahre voraus. We need to pimp our blogs!
24. März 2010 um 11:18
@Zentralgärtnerin
Ich habe auch einen richtigen Energieschub bekommen, seit ich endlich die Beete aufräumen kann und die ersten Beikräuter mit nackten Händen rupfen konnte. Wie andere Gärtnerinnen es schaffen, lange lackierte Fingernägel zu tragen, ist mir auch ein Rätsel.
Bestelltechnisch halte ich mich noch zurück, da ich noch nicht weiß, ob alle Neuerwerbungen des letzten Jahres überlebt haben. Insbesondere diverse Veronica-, Nepeta- und Geranium-Hybriden machen mir Sorgen, während die empfindliche mandelblättrige Wolfsmilch bereits eifrig austreibt. Bis zum 17. April will ich mich noch zurückhalten, denn dann ist “Kiekeberg” angesagt!
Penstemon hält sich bereits seit einigen Jahren tapfer bei mir, nur die Blüte hält sich nicht lange. Auf deine Erfahrungen mit der zweiten Haut bin ich gespannt!
26. März 2010 um 12:16
@ Rita: Bei mir ist die Wolfsmilch verschwunden, schade, ich mag den gelblich-grünen Farbton der Blüten im Kontrast zum purpurfarbenen Laub so gern. Und ein paar im Herbst gepflanzte Stauden kann ich nicht lokalisieren, weil die Amseln die Schildchen herausgerupft haben und ich nicht mal mehr weiß, wo ich suchen soll…