Urban Guerilla
Heute mal keine Pflanze, sondern ein Mann. Diesen fotogenen Herrn, dem man auf den ersten Blick nicht zutraut, dass er sich öfter mal die Hände schmutzig macht, trafen meine Freundin Kirsten und ich letzte
Woche, um uns über Guerilla Gardening als Aktionsform zu unterhalten. Wie kein anderer hat Richard Reynolds dazu beigetragen, das zwar schon in den 70er Jahren in New York erfundene, aber zwischenzeitlich in Vergessenheit geratene Gärtnern auf fremdem Land zu einer angesagten Freizeitbeschäftigung zu machen.
Wobei für Richard, und das macht ihn mir besonders sympathisch, stets das Gärtnern und die Liebe zu Pflanzen Triebfeder waren. Für moderne Protestformen, bei denen Pflanzen lediglich Mittel zum Zweck sind und nach der spektakulären Performance im Müll landen, hegt er wenig Sympathie. “Ich sehe keinen Sinn darin, ein Loch in den Asphalt zu stemmen und mitten auf der Straße einen Baum zu pflanzen”, erklärt er. Lieber wendet er sich Verkehrsinseln, Brachgrundstücken oder vernachlässigten Pflanzkübeln zu. Jetzt hat er die Bürgersteige entdeckt: “Pimp your Pavement” heißt seine neue Kampagne, mit der er Stadtbewohner aufrufen will, den Bürgersteig vor ihrer Haustür mit Pflanzen zu verschönern und so ein Stück Verantwortung für den öffentlichen Raum zu übernehmen. Da bieten sich vor allem, aber nicht nur Baumscheiben an.
Inzwischen liegt Guerilla Gardening so im Trend, dass es schon wieder Mainstream ist. Wie sehr, zeigte nicht zuletzt die Tatsache, dass Richard von der sehr gediegenen Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur in Hamburg zum Vortrag eingeladen war. Dort referierte er vor adretten Hanseatinnen nicht unter 66 Jahren, ein paar Ehegatten waren auch mitgekommen. Aber man unterschätze nicht gestandene Gärtnerinnen, auch wenn diese so aussehen, als würden sie sich ebenfalls nie die Hände schmutzig machen.
Da erhob sich am Ende der Veranstaltung eine Lady, dankte Richard für die realistische Einschätzung, die er zu Möglichkeiten und Problemen des Guerilla-Gärtnerns gegeben habe, und erklärte, sie werde nun zunächst einmal mit Sonnenblumen anfangen. Da kann ich mich nur anschließen. Am 1. Mai, klärte Richard mich auf, ist Sunflower Seed Day!
10. Mai 2010 um 16:29
Seedbombs statt Kaugummi - here we are:
http://www.farmblogger.de/archives/1750-Greenaid-Guerilla-Gardening-aus-dem-Automaten.html, Wie wäre es damit für eure Parkanlagen?