Frust und Freuden
Auch wenn man sich nicht selbst loben soll, so muss ich sagen, dass ich von meinem Vorgarten derzeit wirklich entzückt bin. Manchmal gelingt im Garten ja doch etwas, eine perfekte Kombination, die all die
fehlgeschlagenen Versuche, die sich nicht manifestierenden Fantasien vergessen lässt. Und oft sind diese Pflanzungen weniger ein Produkt der Planung als des Zufalls…
Bei mir zumindest waren ein paar spontane, voneinander unabhängige Entscheidungen ausschlaggebend: das Stehenlassen der verdorrten Grasbüschel sowie der zwanghafte Kauf billiger Narzissen- und Tulpenzwiebeln, die ich dort verscharrte (pflanzen kann man das gar nicht nennen), wo sich im Herbst noch ein paar freie Quadratzentimeter fanden. Die Erde war seinerzeit so trocken und hart, und ich setzte die Zwiebeln entsprechend flach, dass ich ihnen wenig Chancen gab. Weit gefehlt! Gelbe Narzissen, gelbes Steinkraut (noch so ein Spontankauf) und orangerote botanische Tulpen, deren Namen ich nicht mehr weiß, weil ich das Etikett verbummelt habe, bilden zusammen mit den bleichen Grashalmen ein wunderbar harmonisches und zugleich ungewöhnliches Bild.
Solche Erfolgserlebnisse können zumindest zeitweise über die Verheerungen hinwegtrösten, die dieser Winter angerichtet hat. Der Bodycount ist lang und schaurig: die Rosmarine (auch die angeblich winterharte Sorte “Arp”), einige Thymiansorten, drei Lavendelbüsche, die potentiell bezaubernde, aber wohl nur den klimatisch verwöhnten Briten vorbehaltene Dierama, der Bambus im Kübel auf der Dachterrasse, der Schmetterlingsstrauch ebendort, und ob es der Lorbeer geschafft hat, ist fraglich, obwohl ich ihn so gut eingepackt und im Kellerschacht überwintert hatte.
Noch vor zwei Jahren, nach jenem Winter, als Anfang Januar schon die Christrosen blühten, glaubte ich, alles mögliche ausprobieren zu können, was in England als “borderline hardy” gilt. Die letzten zwei Winter haben mich von derlei Flausen kurier. Na ja, nicht ganz: Heute ist ein Paket angekommen, das neben einem rundum robusten Feldahorn (Acer campestre “Red Shine”) als Ersatz für den verschiedenen Bambus auch einen – Feigenbaum enthielt. Aber schließlich gedeihen die auch im Schlosspark von Sanssouci, hinter Glasscheiben jedenfalls. Ich will ja gar nicht einmal Feigen ernten, sondern mir geht es um den unvergleichlichen Duft der Blätter, der mich an die Griechenlandurlaube meiner Kindheit erinnert.
Und noch was steckte im Paket: ein neuer Schmetterlingsstrauch. Der dritte schon, beide Vorgänger sind erfroren. Aber ohne Buddleja kann ich nun einmal nicht leben.
14. April 2010 um 11:47
Meine angeblich so winterharte Bayern-Feige hat diesen Winter auch nicht überlebt - trotz bestem Winterschutz aus Kokos-Matten. Vielleicht ist es einfach so. Feigenduft gibts nur authentisch. Der Griechenland-Urlaub ist schon gebucht!
14. April 2010 um 11:49
@Zentralgärtnerin: Meine Hamburger Modedesignerin (und Schneiderin), die so ein gutes Auge hat wie Du, bietet jetzt neuerdings auch Einkaufs- und Stilberatung sowie Nähkurse an. Die rigorose Pflanzakademie - das könntest du auch.
Ahorn habe ich ja schon, aber mein Bambus ist auch verfroren. Ich werfe jetzt auch mal einen Blick auf einen Feigenbaum. Lieber noch als ernten möchte ich aber Hummeln&Co. anziehen. Einen Sommerflieder habe ich schon. Was rätst du?
15. April 2010 um 15:28
@ Kirsten: Für die Terrasse, nehme ich an? Gehölze im Kübel sind immer so eine Sache, zumal wir ja dank flauer Sonnenaktivität wohl mit weiteren kalten Wintern rechnen müssen, wie die SZ heute verrät.
Eine nützliche Liste mit Bienennährgehölzen findet man bei der Baumschule meines Vertrauens, Heimat des hoffnungsvollen Feigenbaums:
http://www.eggert-baumschulen.de/Gestalten-Verwenden/Bienennaehrgehoelze
Was davon für einen Kübel taugt? Bartblume, braucht aber definitiv Winterschutz. Hibiscus dito. Felsenbirne, wenn Kübel groß genug. Ich wollte immer mal die Essbare Ölweide ausprobieren, braucht im Kübel aber sicher auch Winterschutz. Pflanz’ die doch mal und sage mir, wie die Früchte schmecken…
Sag’ mal, hat Dein Sommerflieder echt überlebt???
@Mari: Vielleicht sollte ich den Feigenbaum doch in einen Kübel pflanzen? Aber in meinem Keller ist es viel zu warm zum Überwintern…
15. April 2010 um 18:05
@Zentralgärtnerin: Gut, ich werde die Essbare Ölweide ausprobieren, wenn ich sie bekomme. Den Sommerflieder habe ich noch nicht aufgegeben, er hat aber derzeit was Sklerotisches-Asketisches-ich-weiß-nicht-was. Der Ahorn (auch der Rotahorn) ist unverwüstlich, die Funkien sehen auch gut aus. Den Rest muss ich wohl abschreiben.
Wenn ich ehrlich bin, interessiere ich mich zur Zeit mehr für metallene Gartenstühle und einen ausziehbaren Tisch. Tipps? Mit dem Holz bin ich durch - nicht langlebig genug.
15. April 2010 um 20:24
@zentralgärtnerin: Pflanz die Feige an die sonnigste, windgeschützteste Stelle, die Du nur irgendwie in Deinem Garten findest! In Töpfen gepflanzte Feigen habe ich auch schon zwei getötet. Eine ist mir in unsrer Scheune auch erfroren, die andere ist vertrocknet.

Aber vielleicht muss man den Feigentraum in Deutschland einfach aufgeben.
Grüße aus dem kalten Niederbayern! Mari
29. April 2010 um 09:59
@ Kirsten: Woher nimmt Du die Hoffnung, dass in Hamburg was anderes wächst als Birnen, Bohnen und Speck? Im Ernst, die Essbare Ölweide in Eurem Klima heimisch zu machen, erscheint mit sehr optimistisch.