Das Mysterium der Tulpen
Eigentlich assoziiert man Tulpen ja mit Holland. Was seltsam ist: Die Zwiebelgewächse gehören überhaupt nicht in ein feucht-mildes, maritimes Klima, sondern sind in sommerheißen und dann knochentrockenen
Regionen Zentralasiens, des Iran und der Türkei zuhause. Also kein Wunder, dass sie bei mir prima klarkommen.
Überhaupt, vergesst Haarlem, Amsterdam & Co.: Die wahre Tulpenstadt ist Berlin, nicht zuletzt wegen des “Tulipan”-Festivals im Britzer Garten, von dem ich hier ja schon einmal geschwärmt habe. Und im Brandenburger Quasi-Steppenklima scheinen sich die Tulpen auch viel besser zu halten, als die Gartenratgeber gemeinhin unken. So gesteht der britische Gartendesigner und Guardian-Kolumnist Dan Pearson, die meisten seiner Tulpenzwiebeln nach der ersten Blüte auf den Kompost zu befördern. Sollen sie nochmals blühen, müsste man sie ausgraben und trocken aufbewahren.
Na, zumindest in diesem Punkt habe ich den klimaverwöhnten Briten etwas voraus! Fast alle meiner Tulpen, ob die elfenbeinfarbene “Purissima”, die dunkelviolette “Queen of Night” oder die gelbe, lilienblütige “West Point” erfreuen mich jetzt im dritten Jahr mit mindestens ebenso vielen, tendenziell sogar mehr Blüten als ich einst Zwiebeln gesetzt habe. Wobei manche Pflanzen offenbar verschwunden sind, andere sich dafür aber fleißig vermehrt haben und nun daherkommen wie eine Matrone mit drei oder vier zarten Töchtern im Schlepptau.
Besonders ausbreitungsfreudig ist jedoch die Wildtulpe Tulipa tarda im Kräuterbeet. Die kleinen Gruppen haben sich nicht nur zu stattlichen Horsten gemausert, sondern versamen sich obendrein flächendeckend. Im Gegensatz zu den Hybriden lasse ich bei dieser Art die hübschen, dreikantigen Samenkapseln ausreifen. Mal sehen, ob die schnittlauchdünnen Nachwuchstulpen irgendwann zur Blüte kommen.
Nur eine einzige Tulpe hat mich offenbar verlassen – ausgerechnet meine Lieblingssorte, die unvergleichliche “Spring Green”. Ich kann mir ihr Verschwinden nicht erklären: Liegt es daran, dass ich dieses Beet im letzten Sommer mit dem Tropfschlauch bewässert habe? Aber warum sind dann ihre Schwestern der Sorte “Yellow Spring Green” am selben Ort wiedergekommen, die ich ein Jahr später gepflanzt hatte? Ist diese Viridiflora-Tulpe nach zwei Jahren schlicht und einfach erschöpft? Oder sind die Mäuse schuld, die sich unter den Horsten der Japanseggen eingenistet haben? Manches im Garten wird wohl für immer ein Mysterium bleiben.
24. April 2010 um 10:19
Hallo!
Die Tulipa tarda liebe ich auch sehr, das ist bis jetzt eine meiner zuverlässigsten Tulpen.
Meine beste Pracht-Tulpe ist ausgerechnet eine, deren Namen ich nicht kenne, weil sie noch vom Vorbesitzer gepflanzt wurde - die blüht jedes Jahr sogar im Halbschatten in leuchtendem Gelb - für die dunkle Ecke dort perfekt!
Letztes Jahr habe ich “Spring Green” gepflanzt, weil ich gelesen hatte, dass gerade sie so zuverlässig wiederkommt. Dass das bei dir nicht klappt- ohje, da ahne ich nichts Gutes.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende!
26. April 2010 um 10:07
Mäuse!
Ja ich glaube es sind Mäuse, die die Zwiebeln auf dem Gewissen haben, -bei mir jedenfalls.
Alle meine Tulpenzwiebeln, die ich im letzten Herbst gepflanzt hatte sind gekommen, bis auf die in einem Beet. Dort sind von 20 Zwiebeln jetzt gerademal zwei blühbereit.
Drei weitere sind quasi vor meinen Augen verschwunden, - also an einem Tag noch ein normaler Austrieb und am nächsten Tag nix mehr. Der Rest ist gar nicht erst erschienen.
“Spring Green” konnte ich auch nicht widerstehen. Ich habe sie gemischt mit “Queen of Night” gepflanzt. Der Plan daß sie gleichzeitig blühen scheint aufzugehen. Bin gepannt, wie es aussieht, wenn sich die Blüten öffnen. “Queen of Night” ist jedenfalls auch eine tolle Sorte, die hatte ich schon im letzten Jahr.
LG
Zia
30. April 2010 um 08:55
Zentralgärtnerin, es muss einmal gesagt werden: Du scheinst nicht nur einen grünen Daumen zu haben, sondern auch einen grünen Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleinen Finger dazu. Ein ganz ganz großes Kompliment, was Du uns aus Deinem Garten zeigst und erzählst ist FANTASTISCH!
Man wünscht sich in Deinem Garten zu leben. Hoffentlich weiß Deine Familie Deine Fähigkeiten zu schätzen.
Ein bisschen frage ich mich allerdings, wie Dein Ehemann (den gibt es doch noch, oder?) die Sache sieht. Du musst ja sehr viel Zeit und noch mehr Gedanken dem Garten widmen, um all diese Pracht zu schaffen. Auch schreibst Du ja mit sehr viel Liebe über Deine Gewächse. Also ich an seiner Stelle würde etwas eifersüchtig werden über die “unvergleichliche Tulpe Yellow Spring Green”.