Von der Geduld
Klar, dass Geduld die wichtigste Tugend des Gärtners ist. Oder nicht? In englischen Gartenbüchern findet man mindestens so häufig den Ratschlag, sich nicht zu lange mit kümmernden Pflanzen abzugeben. Was nicht wachsen will, soll willigeren Gewächsen weichen. “Be ruthless”, lautet die Devise.
Irgendwo zwischen diesen Polen trudelt wohl ein jeder Gärtner. Ich selbst neige eher dem ersten zu, aber nicht so sehr aus Gelassenheit. Das Etikett “Geduldsmensch” kann ich mir nicht wirklich anheften. Eher habe ich zu viele andere Dinge zu tun, als dass ich mich durchringen könnte, endlich diese oder jene enttäuschende Pflanze umzusetzen. Was heißt umsetzen – dazu müsste ich ja Platz haben. Und natürlich hasse ich es, lebende Pflanzen dem Kompost zu überantworten. Auch da stehe ich übrigens mittlerweile vor einem Platzproblem: Das Silo ist randvoll…
Also bleiben viele Mickerlinge einfach da stehen, wo sie sind, und siehe da – mitunter lohnt sich das unfreiwillige Warten tatsächlich. Drei Jahre lang habe ich sinniert, wie lange ich meiner Rosa moyesii “Geranium” im Vorgarten noch Zeit geben soll, bis sie mir zumindest mal eine einzige Blüte gönnt – und natürlich jene lackroten Hagebutten, für die diese Wildrose berühmt ist. Drei Jahre lang kümmerte sie auf das Elendigste vor sich hin: Was ein drei Meter hoher Strauch werden kann, benimmt sich bei mir wie ein Bodendecker.
Doch dieses Jahr strotzt “Geranium” nur so vor Knospen. Warum? Keine Ahnung. Haben ihre Wurzeln tief unter dem knochentrockenen Vorgarten eine Wasserader angezapft? Wer weiß. Ich habe jedenfalls nichts dazu beigetragen, außer, sie nicht herauszureißen.
Aber natürlich habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass manchmal ein oder zwei Meter Wanderschaft über Blühen oder Kümmern entscheiden können. So rückte ich meine schwarzrote Taglilie “Ed Murray” aus der Nähe der idiotischen Kirschlorbeerhecke unserer Nachbarn K. und K. in die Mitte des Vorgartens - prompt wollte sie gar nicht mehr aufhören zu blühen. Und meine Iris “Lovely again” verweigerte sich zwei Jahre lang und produzierte skurillerweise jeweils nur im Herbst einen bescheidenen Blütenstand. Deshalb grub ich sie zur Unzeit im März aus, teilte den mittlerweile recht stattlichen Horst in sieben Stücke und freue mich nun über vier (!) blühende Schwertlilien an allerlei unmöglichen Stellen.
Fazit: Wer keine Geduld hat, braucht wenigstens Platz. Und wer faul ist, zieht auch mal das große Los.
05. Juni 2010 um 20:41
Also wer mir beinahe einemal den Geduldsfaden zum reißen gebracht hat, war der gemeine Dickmaulrüsselkäfer. Zentralgärtnerin, hast Du den auch? Ein widerwärtiges Tier: er nagt Dir dir Wurzeln deiner Planzen ab, du ziehst an ihnen und hast in der Hand - nichts! Glücklicherweise bin ich der Bestie Herr geworden mit einer Nematodenbahandlung. Ist wirklich sehr empfehlenswert. Die Nematoden fressen die Larven des fiesen Käfers und der kommt nie wieder. Nematoden sollten aber mit einer Nematodenspritze ausgeb racht werden,. Und bitte bei Dämmerung, da Lichtempfindlich. Wenn Euer Parnter in der Dämmerung was anderes will, sorry, muss er warten. Nematoden gehen vor. Aber Geduld ist bekanntlich eine Rüstung, die nicht jedem passt.