Böse Guerillas?
Zerstören Guerilla-Gärtner wertvolle Lebensräume? Sind Community Gardens ökologische Wüsten? Absurde Fragen? Nicht doch: Genau das behauptet nicht nur Heidrun Heidecke vom BUND, sondern auch die
Leipziger Ökologin Ulrike Weiland in der Süddeutschen Zeitung. Frau Heidecke sorgt sich, dass von Guerillas gepflanzte Forsythien und Sommerblumen, “als ursprünglich nicht einheimische Gewächse für Insekten nutzlos” seien, während Frau Weiland um bodenbrütende Nachtigallen auf urbanen Brachflächen bangt.
Hallo? Ich liebe Nachtigallen, freue mich über wild wuchernde Brachflächen, schätze den BUND und die Ökologie sowieso – aber hier, liebe Naturschützer seid Ihr auf dem Holzweg. Wie kann man solchen Unsinn in die Welt setzen?
Schließlich verschönern die meisten Guerilla-Gärtner keine größeren Stadtbrachen, sondern Verkehrsinseln, Baumscheiben oder vernachlässigte Waschbeton-Pflanzkübel in ihrer Nachbarschaft. Nachtigallen-Gelege sind mit in solchen Habitaten bislang nicht aufgefallen, eher große Populationen endemischer Zigarettenkippen.
Und selbst wenn sich mal eine Gruppe engagierter Menschen zusammenfindet und ein ganzes Brachgrundstück in einen Garten verwandelt - soviel Gemeinsinn ist mindestens ebenso selten wie die Nachtigall und verdient jede Art der Unterstützung. Zumal solche Community-Gärten ja zumeist nicht aus Rasen und Forsythien bestehen, sondern ein kunterbuntes Gemisch aus Blumen und - oft ökologisch angebautem – Gemüse sind. Als ein Ort, wo Kinder aus oft unerfreulichen sozialen Milieus mal ein bisschen Natur erleben können und sehen, wo Tomaten und Erdbeeren herkommen, sollten sie eigentlich auch dem BUND ein Anliegen sein.
Im Übrigen: Welche städtische Brache ist schon ein Paradies? Die Regel sind doch eher triste, vermüllte und planierte Flächen wie das Grundstück am Moritzplatz in Kreuzberg, das zwei Aktivisten in den “Prinzessinengarten” verwandelt haben. Seit Sommer 2009 betreiben sie dort nun urbane Landwirtschaft und bieten einen Ort für Bildungsarbeit und allerlei soziale Projekte. Da der Boden hier wenig hergibt, nutzen die Leute von “Nomadisch Grün” transportable Hochbeete aus recycelten Kisten und pflanzen Kartoffeln in Reissäcke – eine ziemlich fantastische Installation, nebenbei.
07. Juni 2010 um 19:26
@Zentralgärtnerin: Prinzessinnengärtner (legal) und Guerilla-Gärtner (ein Hauch illegal) eint einzig ihre Vorstellung, dass die Stadt begrünbar ist. Die Moritzplatz-Truppe treibt beim Anbauen von Gemüse (keine Blumen!) der Gedanke an die Selbstversorgung und das Essen, weniger der Hang zum puren Schönen. Es sei denn, es handelt sich um die schöne Blüte einer essbaren Zwiebel. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Prinzessinnengärtner Quereinsteiger sind und nicht aus der Floristik stammen. Einer ist Historiker, einer Filmemacher. Beide bringen - und das macht sie mir sehr sympathisch - auch eine politische Botschaft zum Blühen: Stadt mit gestalten kann jeder. Jeder kann sich um etwas kümmern und sorgen - beispielsweise beim Gärtnern. Ich hoffe, das gefällt dir.
09. Juni 2010 um 11:22
@ Kirsten: Im Prinzip ist der Prinzessinengarten doch eine Art Community Garden, und die fangen sonst ja oft als Guerilla-Projekt an und werden, wenn überhaupt, später legalisiert. Das Beispiel “Rosa Rose” in Berlin zeigt ja, wie brisant Gemüsegärtnern auf Baugrundstücken sein kann.
Aber die Jungs von “Nomadisch Grün” haben ja, wie im Spiegel zu lesen, alles so eingerichtet, dass sie jederzeit umziehen können.
10. Juni 2010 um 11:52
[...] Café-Aufenthalten und fleißigem Bloggen habe ich die Zeit genutzt, um den bereits erwähnten Prinzessinengarten in Kreuzberg zu [...]