Kreuzberger Prinzen
Manchmal hat man einfach Glück. Endlich habe ich ein paar freie Tage, weil der eine oder andere Auftraggeber es nun doch nicht so eilig hat - und das gerade dann, wenn in Berlin der Sommer einzieht.
Neben Gartenarbeit (heute die letzten Setzlinge ausgepflanzt, Radieschen und Mangold nachgesät, nicht kletternde Kletterhortensie entwirrt und aufgebunden), ausgedehnten Café-Aufenthalten und fleißigem Bloggen habe ich die Zeit genutzt, um den bereits erwähnten Prinzessinengarten in Kreuzberg zu besuchen.
Es hat mich ja schon gewurmt, dass erst meine Freundin und Öko-Mode-Bloggerin Kirsten aus Hamburg mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht hat, obwohl es nur ein paar Fahrradminuten von meinem Zentralgarten entfernt stattfindet und obendrein rauf und runter von den Medien durchdekliniert wurde. “Urban Farming” betreiben die Initiatoren dort am Moritzplatz, dazu ein kleines Café in einem Frachtcontainer, wo ich mir einen Latte Macchiato gegönnt und die Sache in Augenschein genommen habe.
Also, Prinzessinnen gab es nicht so viele, eigentlich nur die eine hinter dem Café-Tresen. Aber jede Menge sehr ansehnliche Prinzen, in Feinripp-Unterhemden, tätowiert oder als Ché-Guevara-Lookalikes. Ja, und Gemüse war natürlich auch da, in Hochbeeten, die aus Bio-Lieferkisten in zwei übereinandergestellten Lagen bestanden. Beruhigt stellte ich fest, dass das Gemüse auch nicht viel weiter war als bei mir.
Toll fand ich die Idee, Kartoffeln und Tomaten in Reissäcke zu pflanzen, was besonders bei den Kartoffeln sehr praktisch ist: Nur eine dünne Schicht Erde samt Saatkartoffel rein, dann nach und nach anhäufeln, zum Ernten einfach ausschütten. Nach Auskunft eines Prinzen, der gerade Nelkensetzlinge umtopfte, ist das Gewebe der Säcke so durchlässig, dass man keine Löcher hineinschneiden muss. Allerdings schlucken die Pflanzen in Säcken und Hochbeeten bei diesem Wetter natürlich wahnsinnig viel Wasser. Übrigens: Auch die Prinzen von heute kämpfen nicht gegen Drachen, sondern gegen Schnecken. Wie ich.
Richtig ist aber auch, wie ein Kritiker auf der Seite “Karma-Konsum” anmerkte, dass es sich nicht um ein richtiges Mitmach-Projekt handelt. Die Kerngruppe um die beiden Initiatoren bestimmt, was gepflanzt wird; wer mithelfen will, ist willkommen, darf aber kein Beet in Eigenregie bestellen. Vielmehr kann man wie auf der Erdbeerplantage gegen Bezahlung Gemüse für den heimischen Herd pflücken. Das meiste wollen die Prinzen aber im eigenen Café verbrauchen.
Auch wenn es also kein echter “Community Garden” ist, finde ich den Kreuzberger Gemüsebauernhof originell und nachahmenswert - viel besser jedenfalls als der alte Parkplatz an dieser Stelle oder ein weiteres überflüssiges Immobilien-Spekulationsprojekt! Und das mit den Säcken probiere ich nächstes Jahr auch mal aus.
10. Juni 2010 um 12:40
@Zentralgärtnerin: Bin sehr erfreut, dass du ein Auge für Prinzen hast. Heutzutage tragen die ja übrigens alle Schiebermütze zu Schiesser-Feinripp (demnächst mit Joop-Design). Apropos Community: Du kannst mit deinem Pflanz-Projekt ins Paradies einziehen - der Imker ist so ein Untermieter und Adoptivprinz. Der wiederum bringt dann die Bildung zum Blühen, in dem er den Nachbarkindern das mit den Bienen und so erklärt. Die Prinzen haben mir erklärt, sie “kuratieren” die Projekte, die rein dürfen. Zuviel Esoterik ist zum Beispiel nicht gewollt. Gehst du nochmal mit mir hin?