Seltene Erden
Auf meiner Terrasse drängen sich die Kübel mit Paprika, Auberginen, heimatlosen Tomatenpflanzen und den Sommerblumen, die meine Tochter Dora unbedingt aussäen wollte, für die im Garten aber kein Fußbreit Platz mehr war. Die großen Gefäße haben Unmengen Erde geschluckt – und sind nun Schauplatz eines Experiments.
Ich möchte nämlich versuchen, auf Torf weitestgehend zu verzichten. Zwar wird in Deutschland nur noch wenig von dem braunen Faserzeug abgebaut, doch hat sich die Torfgewinnung nun ins Baltikum verlagert, wo sie großflächig Moore zerstört. Im Handel gibt es zwar torffreie Erden, doch habe ich damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Produkte der Firma Neudorff kann ich im großen und ganzen empfehlen, doch sind sie ziemlich teuer; billigere Substrate aber riechen zum Teil wie Rindenmulch, und entsprechend schlecht gedeihen die Pflanzen darin. Nicht ausreichend kompostierte Rinde entzieht dem Substrat nämlich Nährstoffe und kann obendrein Substanzen frei setzen, die das Pflanzenwachstum hemmen.
Nun traf es sich, dass meine Freundin Kirsten zum Thema recherchierte und vom Öko-Staudengärtner Dieter Gaissmayer den Tipp bekam, fünf Teile Kompost, vier Teile Sand und ein Teil “gute Landerde” zu mischen. Nun Kompost hatte ich reichlich, Spielsand für Kinder kostet kaum etwas, nur die Landerde stellte mich vor ein Problem: Hier in der Stadt kann ich schließlich nicht mal eben den Acker nebenan abgraben, und um einen kleinen Tagebau anzulegen, ist mein Garten viel zu dicht bepflanzt…
Also habe ich die Landerde (besonders gut sollen Maulwurfshügel sein!) weggelassen und Sand und Kompost zu annähernd gleichen Teilen verwendet. Nun beobachte ich, wie sich die Pflanzen darin machen. Bisher kann ich noch nichts Auffälliges vermelden (hoffentlich ein gutes Zeichen), außer dass meine Mixtur ein viel höheres spezifisches Gewicht hat als handelsübliche Substrate. Sprich: Die Töpfe sind viel schwerer zu schleppen. Aber dafür muss ich nun ja keine Erdsäcke aus dem Baumarkt mehr heranschaffen.