Rote Hähne, weiße Lilien
Wenn der “rote Hahn” auf dem Dach sitzt, ist das seit alters her ein Fall für die Feuerwehr. Im Garten verhält es sich nicht anders: Wenn das lackrote Lilienhähnchen in Erscheinung tritt, muss man handeln. Schnell.
Leicht fällt das nicht, denn das Lilienhähnchen ist so ziemlich der hübscheste Käfer, den ich kenne. Trotzdem darf man keine Gnade walten lassen. Denn nicht nur nagt das Krabbeltier selbst an Lilienblättern, sondern, schlimmer noch, es hinterlässt viele, viele orangefarbene Eierchen, aus denen sehr, sehr hungrige Maden schlüpfen. Beginnt man nicht spätetens jetzt mit regelmäßigen Razzien, ist es um die Lilie geschehen.
So sehr dieser Verlust schmerzt – fast noch übler mutet die pure Existenz dieser Maden im heimischen Garten an. Sie sind nämlich mindestens so widerlich wie ihre Eltern attraktiv. Die Verwandlung der Raupe Nimmersatt zum wunderschönen Schmetterling verblasst angesichts dieser unglaublichen Metamorphose.
Eigentlich ist meine Ekelschwelle im Laufe meines Gärtnerdaseins kräftig gesunken. Lässig zerquetsche ich mittlerweile ganze Läusekolonien zwischen Daumen und Zeigefinger, wo ich früher nach der Spritzflasche mit Seifenlösung gerannt bin. Der Anblick Dutzender Asseln, die bei mir unter jedem Topf wimmeln, der halbwegs schattig steht, regt mich nicht auf. Sogar Spinnen, die Schrecken meiner Kindheit, sehe ich heute interessiert an, wenn ich sie auch nicht anfassen mag.
Aber Lilienhähnchen-Maden abzusammeln, kostet mich unglaubliche Überwindung, und anders als im Fall der Nacktschnecken (mit der Schere ergreifen und durchschneiden) habe ich noch keine probate
Entsorgungstechnik entwickelt. Die Viecher verbergen sich nämlich in schmierigen, schwarzen Klumpen ihres eigenen Kots. Ganz klar soll das Feinden den Appetit verderben, mit Erfolg, wette ich. Im Garten aber ist dieses Verhalten nicht nur indezent, sondern auch evolutionsbiologisch betrachtet genauso sinnlos wie die Anti-Tarnfarbe der erwachsenen Käfer. In ihren, pardon, Sch…häusern, sind die Maden nämlich weder zu übersehen noch mobil. Nur ekelhaft.
Aber um das Gejammer zu beenden: Meine Lilien sind jeden noch so schmutzigen Kampf wert. Die ersten Königslilien blühen schon, sie haben seit letztem Jahr unglaublich zugelegt und parfümieren bei dem schwülen, warmen Wetter nicht nur die Terrasse, sondern das Wohnzimmer gleich mit. Und die beiden hier schon öfter erwähnten Discount-Lilien sind zu einem brusthohen Dickicht mit drei Dutzend Knospen herangewachsen. In ihrer geradezu arroganten Pose zeigen sie sich von den brandgefährlichen Hähnchen bislang ziemlich unbeeindruckt.
08. Juli 2010 um 23:30
Nun, ich habe im letzten Jahr die letzten Lilien aus meinem Garten entfernt, weil ich keine Lust mehr auf die eklige Jagd nach dem Hähnchennachwuchs hatte. Und sie kamen jedes Jahr in Massen. Jetzt sind die Lilien weg und die Lilienhähnchen auch. Ich trauere ihnen nicht nach. Gibt ja noch genug andere schöne Blumen in meinem Garten, die nicht so intensiv bewacht und verteidigt werden müssen. Und für den Blütenduft sorgen die Rosen.
Herzliche Grüße und weiterhin Weismannsheil ;o),
Iris
08. Juli 2010 um 23:31
…öhm, Weidmannsheil sollte das natürlich heißen.
16. Juli 2010 um 16:24
@Iris: Also, Waidmannsheil hatte ich, die Ekelpakete sind weg (wahrscheinlich alle zu knallroten Käfern mutiert), und die Lilien sind ein Fest. Leider verblühen sie bei der Hitze so schnell. Hmm, und meine Rosen machen mir ja nun auch Kopfzerbrechen… der Mehltau!