Party Crasher

Erinnert Ihr Euch an die schrille Blonde, die es ohne Einladung auf Obamas Empfang im Weißen Haus geschafft hat? Ebenso rätselhaft ist für mich das Auftauchen einiger Gäste in meinen Beeten. Wohlgemerkt, ich rede nicht von Unkräutern, sondern von ausgewiesenen Gartengewächsen, die ich jedoch weder gesät noch gepflanzt noch sonstwie wissentlich eingebracht habe. Auch auf den ja eher trostlosen Nachbargrundstücken kommen sie definitiv nicht vor.

Da waren zum Beipiel die seltsamen Halme, die mir schon letztes Jahr auffielen, weil sie irgendwie nicht unkrautig aussahen. Vielmehr erinnerten sie mich vage an jene Tradescantien, die meine Oma vor Urzeiten aus Teneriffa mitgebracht hatte. Ich ließ das Pflänzchen also stehen und vergaß es. Dieses Jahr war es wieder da und kräftig gewachsen. Und siehe da: Ich lag richtig. Es handelt sich tatsächlich um eine Tradescantie, natürlich keine dieser aus der Mode gekommenen violetten Blattpflanzen für die Fensterbank, sondern um eine Gartenhybride mit lila Blüten.

Und wo mag die Brennende Liebe herkommen, die sich mitten in einem Tuff Orangenmize eingenistet hat? Freiwillig gepflanzt hätte ich sie nie im Leben. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine der zum Glück seltenen Gartenpflanzen, die mit feuerwehrroten Blüten aufwartet. Wie die Tradescantie muss sie sich als Samenkorn im Topf einer anderen Staude verborgen eingeschlichen haben. Oder sollte ein Vogel die Saat in mein Beet geschmuggelt haben?

Wie die Blondine auf Obamas Party sind beide Eindringlinge ein bisschen schrill; im Fall der Tradescantie ist es die leicht exotische Anmutung, die nicht so ganz zu meinem Gartengeschmack passt. Trotzdem dürfen beide natürlich bleiben. Ich habe sie sogar richtig ins Herz geschlossen, verkörpern sie doch gewissermaßen die wichtigste Eigenschaft eines richtigen Gartens:  Dass er immer für Überraschungen gut ist.

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